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BLOG Unerhört:e Taxilyrik

Vorweg
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Vorweg

In Taxis wird viel geschwiegen. Aber auch viel gesprochen. Für die meisten Umstände habe ich drei Antworten parat. Ich muss mir die nicht einmal selbst ausdenken. Dies wäre die ideale Stelle eine Diskussion über das Plagiat und die Unmöglichkeit der Genialität zu beginnen. Aber hier geht es lediglich um die Dokumentation unerhörter und unerhörter Geschichten.

"Unerhört:e Taxilyrik" ist eine Textreihe © Jan Gäth & 'Schreibsyndikat' im mordKARG-Verlag. In Kooperation mit Regula Johns und Marie Peters sind Teile in "Transmission - Samstag ist Selbstmord" erschienen. Einige werden hier erscheinen. Einige sind für ein weiteres Schreibsyndikat-Projekt mit Jella Lengler vorgesehen.

Was ist das tolle an einem Blog? Der Welt seine 'mal so ins Unreine' gesprochenen Gedanken ins Gemüt <taggen> zu können? Den eigenen Speicher für neue Eindrücke von dieser Welt zu entrümpeln? Die Welt sind dabei: alle Interessierten, alle anderen und alles andere auch - und die NSA und Kollegen. Für das Bloggen gibt es prima Umsonst-und-schon-dabei-Software. Alle Welt möchte sinnlose Querverlinkungen verfolgen oder den Blog kommentieren können. Um zum Beispiel los/zu/werden: es heißt 'das Blog'. Aber, wer weiß schon von richtige Detusch, hä? Über/haupt schein/nt Krea/tivi/tät zwanghaft Marken/zeich/en zu sein. Die Netzwelt ist voll davon. Jeder darf mal. Und fast alles. Gut so.

Okay, kommentieren: das darf die Welt. Aber nur via den Anti-Spam-Zensor. Nicht traurig sein, wenn dein Beitrag nicht zu den 'Auserwählten' gehören sollte. Der war sicher gut. Und ich versuche auch jedem zu antworten. Hier soll vor allem die unerhört:e Taxilyrik zu einer Hauptrolle kommen.

jg

 




Beiträge

Unerhört:e Taxilyrik
Teil
01
Samstag ist Selbstmord
Unerhört:e Taxilyrik
Teil
02
Der verrückte Professor (Wahl 2013)
Unerhört:e Taxilyrik
Teil
03
Im Taxi aufgeschnappt
Unerhört:e Taxilyrik
Teil
04
Wie werde ich hochdekorierter PSB?
Unerhört:e Taxilyrik
Teil
05
Auszug aus 100 verbotene Fragen in Taxis
Unerhört:e Taxilyrik
Teil
06
Polizei Nackidei
Unerhört:e Taxilyrik
Teil
07
#Gauchogate, der kalkulierte Tabubruch (WM 2014)
Unerhört:e Taxilyrik
Teil
08
Böse 1 - oder Die Mär von der eShareEconomy
Unerhört:e Taxilyrik
Teil
09
Böse 2 - oder Der Krieg kehrt zurück

 

mehr > TaxiKultur

 


 

 

 

 

Unerhört:e Taxilyrik, Teil 1, Samstag ist Selbstmord

Zusammen mit Marie Peters und Regula Johns. Auszug.
Erschienen in Regula Johns: "Transmission. Samstag ist Selbstmord" (2013)

 

1

am hachi. life goes satire. aber nur an guten tagen. hellelfenbeinfarbene autos mit gelben dachschildern. so weit das auge reichte. seismografen der gesellschaftlichen entwicklung, so hatte ein schlauberger sie mal getauft. die meisten hielten das leben, welches sie lebten, für eine freakshow, in die sie sich lediglich verlaufen hatten, ausfahrt links. viele saßen chattend oder kaffee schlabbernd oder döner würgend – oder alles zusammen – hinter ihren lenkrädern. andere standen in kleineren rudeln um ihre kutschen drapiert. mechanisches geplauder. seltene exemplare wienerten schweigsam an rückspiegeln und chromteilen herum. von allen ging ein unhörbares girren versteckter sensoren aus, die jeden gesprächsfetzen, jede funkmeldung, jede fahrgastbewegung bemerkten und in gespielt gelangweilte nicht-bewegung umsetzten. driver bewegen sich nicht unnötig. warten-können ist die größte fähigkeit in dem geschäft. von einem auf den anderen fuß wechselnd, steckten die geschwätzigeren die eine fahrige hand in die tasche und nuckelten mit hilfe der zittrigen anderen an ihren gefährlich dunkle wolken abstoßenden, krummen selbstgerollten. andere hörten nervös weg, warteten, bis sie dran waren mit erzählen. sie diskutierten die fantastischen vorteile der neueren und der älteren gefährte oder über reifenprofile und winterreifenpflicht, ob frauenfußball der frau als solcher, weil kampfsport, nicht anstehe oder ob fahrgäste menschenähnliche charaktere in der freakshow waren – oder doch schon zombies. trotzdem, jeder einzelne erwartete die erlösende order: fahr los, fahr da entlang, fahr geradeaus, dann rechts, bis zur dritten links, da einbiegen und halten. driver haben keine eigenen ziele. sie bekommen sie vorgegeben. kassieren, ausladen, durchlüften, anstellen. und zwar hinten.

ich war am abend von einer party bei der heilsarmee geflüchtet. der freund einer freundin hatte dort vor jahren zivi gemacht, freunde gewonnen und dort, in den räumen seiner alten wg, seinen fünfunddreißigsten gefeiert. den halben abend hatte eine angeschickerte nudel an meinem ohr gekaut. alkohol in den räumen der heilsarmee! ich wusste jetzt alles über ihren langweiligen bürojob, die unterhosenmarke (und -größe!) ihres nichtsnutzigen helden, und dass sie von einem leben jenseits ihres lohnkontos und seiner schulden träumte. sie war eine von diesen chronisch kreativen, immer falsch verstandenen und jedenfalls unterbezahlten internet-blasen. pah! gebrauchskunst - gebrauchen, und weg dafür! aber ich kannte das gelaber ja. fahrgäste erzählten auch nicht anders. dein driver, dein frisör.

aber so richtig auf den nerv war sie mir erst gegangen, als sie jammerte, dass sie ja „nichts günstigeres in eppendorf hatte finden können...“ nichts günstigeres war günstiger als zwo mille. zur miete. im monat. hallo? heimlich bei der heilsarmee saufen, und über zwei mille miete lamentieren. geht‘s noch! auf dieser party konnte ich nichts wirklich wichtiges versäumen. nur die einnahmen des heutigen tages. auch hier, am hachmannplatz vor dem hauptbahnhof, ging mir das gelaber sofort wieder auf den keks. die kollegen steckten bis unters dach voll mit eindrücken. die mussten raus. und was ein echter zwölf-stunden-fahrer ist, der steht auch mal eine stunde am hachi und quatscht sich die seele clean. fehlte nur noch das taxlergarn über “die größte ferntour meines lebens“! dann würde ich wieder von berlin erzählen müssen... schlüssel rum, ausscheren, und nix wie weg hier.

die gullies stanken wieder nach scheisse. 1x berlin und zurück. eine schöne geschichte. vor allem für die frau, die ihre kette im müll wiederfand. und ihren mann, der seine brücke verschluckt hatte ... und auch wiederfand... der geruch der stadt muss mich daran erinnert haben. ich umrundete den bahnhof gerade einmal halb, schon stand da dieser läufer. billiger stangenanzug mit schief sitzender, unmodischer, strichcode-dünner krawatte und einem pechschwarzen, sehr großen und sehr, sehr schweren koffer. “keine angst“, versicherte er mir, während er mir zulächelte und ich mir halb das kreuz verbog, also an meinem nächsten bandscheibenvorfall arbeitete, “ist keine leiche drin!“ schon an der nächsten ampel stellte er sich als joy vor und wollte wissen, wie ich heiße. für diesen fall hatte ich mir eine outrageous lie zurechtgelegt. deine frisöse, deine märchentante. schließlich wollten die jungs nie die wahrheit erfahren, sondern glücklich werden.

er unterbrach mich und legte sich so verdächtig schwer auf der mittelkonsole nieder, dass ich ihn mit einem kräftigen knuff aus dem lenkkreis entfernen musste. er ließ sich trotzdem nicht im bericht über seine hobbies stören. ausgerechnet autos! ich schwieg. sollte er doch reden. brauchte nur zuhören und „mhm“ und „ja“ und „achso“ und „okaj“ sagen. als joy mich mit besonders intelligentem unterton fragte: “hast du denn gar keinen freund, süße?“ und “wohnst du wirklich alleine?“, musste ich einsehen, dass er sich partout nicht aus dem hintergrund führen lassen wollte und setzte ihn auf der nächsten verkehrsinsel aus, mitten auf der hamburger straße. zuerst wollte er nicht aussteigen. ich wuchtete kurzerhand seinen sarg auf die straße und er eilte herbei, ihn zu schützen. ich gab gummi und ließ die kollegen per generalmeldung vor dem läufer mit koffer warnen: “auf keinen fall einladen, zahlungsschwierigkeiten!“ wenn also einer in der nähe der finkenau, gegenüber der ehemaligen polizeiwache, teile eines winkenden skelettes ...

der nächste kandidat war eine kandidatin. “sonst fährt mich co. kennen sie die?“ sie arbeitete in einem nagelstudio. winterhude. nur feinste kundschaft... weiter ging es mit: “ihr seid die besten kutscher hamburgs...“ und ähnlichen schleimigen lügen. sie verwechselte dabei die zentrale bei der ich fuhr, mit einer, bei der die angebliche co fuhr. ich überhörte es großzügig. es ging von bramfeld auf den berg. und es sollte auch gleich wieder zurück gehen. da kann ich schon mal freundlicher als nötig weghören. wir sollten “einen freund“ treffen, der demnächst in ihr heimatdorf fahren würde, irgendwas mit “b“ am anfang und “alkan“ am ende. er sollte “geld für ihre mutter“ mitnehmen. wir rollten extra langsam durch den von partymüll versifften berg.

2

vor “rosi’s“ lungerten sie herum. das übliche gemisch aus kids, underdogs und durchgeholten partygängern, tanzte mit buddel und kippe bewaffnet um und über parkende selbstfahrer. und die dealer. aus der gruppe löste sich ein dunkler kaputzenpulli mit noch dunkleren augen und steuerte schnurstracks auf die hintere flanke meines taxis zu.

(...)

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Wann macht ihr ein schmales Excert, eine Art 'Best OF' aus dem Schinken? (Wonderland)

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Unerhört:e Taxilyrik, Teil 2, Es werde Geld, sprach der verrückte Professor
oder
Die etwas andere Rede zur Bundestagswahl

(by Jella Lengler, Jan Gaeth & Schreibsyndikat, 2013)

 

Bisher hatte ich nur von einem ‚Professor’ gehört. Er wohnte angeblich auf einem besetztem Bauwagenplatz hinter der 'Fabrik'. Dort sollte er kleine Geschosse bauen, die aus aufgesägten Fahrradpumpen abgeschossen werden konnten. Um die Hubschrauber zu erschrecken, die die Polizei bisweilen über dem Gelände kreisen ließ? Weit entfernt davon eine echte Gefahr darstellen, eher auf dem Niveau eines Sylvesterkrachers, stellte es doch zumindest klar, wer wen nicht leiden konnte. Was eigentlich auch nicht noch einmal extra nötig gewesen wäre ... aber na ja. Möchtegern-Klein-Gaza sozusagen. Ist der Feind erst mal ausgemacht, vergeht der Tag wie im Flug. Um nicht zu sagen: im Glück. Zumindest bekommt er Struktur. Das gilt bei diesen Manöverübungen immer und für alle Beteiligten.

Aber. Andere Orte, andere Sitten. Andere Professoren. Sie pflegten ihre Feindbilder offenbar genauso klar abzugrenzen.

Aufgelesen gegenüber Bahnhof Dammtor, vor dem CinemaxX, neben der Spielbank, kurz nach ich-weiß-es-nicht-mehr und sicher nicht nüchtern, wollte der Mann sich partout nicht ruhig in den Fond schmiegen und einmal den Lauf der Alster hinauf ins heimische Poptown kutschieren lassen. Stattdessen griff er links und rechts in die Taschen seines Jacketts, holte je einen rotwangigen Apfel heraus und hielt sie in den Rückspiegel hoch.
„Auch einen?“ gab er ganz die rheinische Frohnatur. Was war schon Karneval gegen eine Nachtschicht auf dem Bock! Und das Sozialkino lief gerade erst wieder an. Nachtvorstellung. Fragte sich nur, ob heute ’ne Wiederholung dran war – oder ob ich der aktuellen Folge etwas würde abgewinnen können. Ich hatte es schon fast vergessen: nach gefühlten zehn Jahren Baustelle, dass es hier eine Brücke unter den Gleisen hindurch gab. Um in die richtige Richtung zu kommen, musste man hier rechtwinklig rechts abbiegen. Früher illegal. Heute immer noch scharfwinklig. Den Apfelhändler riss es um. Bis er sich berappelt hatte, sah ich nur zwei gereckte Arme im Rückspiegel, die suchten die Äpfel zu retten. Putzige Show. Hauptsache er musste nicht kotzen.

„Danke nein“, sagte ich endlich – ich aß nur in sehr seltenen Ausnahmefällen vom selben Tellerchen wie meine Patienten – und schob nach: „Carnivore!“ Er ließ den linken zurückplumpsen, fläzte sich halb gegen die Tür und biss herzhaft zu – gesunde Zähne hatte er ja wohl – und schmatzte.
„No Veggieday, was?" frotzelte er. "Ich esse, wann ich will, und was ich will, jaaahh! Jaja, aha!” Schmatz. „Frugivore!“ Schmatz. Schmatz! „Wissen Sie schon, was Sie wählen?“
„Welche Wahl?“ Wenn ich hinter dem Lenkrad saß, konnte ich eins ganz gut: Lakonie.
Er: „Die Wahlen fallen ob des Mangels an Opposition aus.“
„Schön. Dann sind wir uns ja einig. Sie gehen auch nicht hin!“
Ich starrte in den Verkehr, ihn und den Rückspiegel bewusst übersehend. Irgendetwas ermutigte ihn aber trotzdem weiter zu dozieren.
„Ich mache seit Jahren schon Briefwahl. In der Kabine könnte ich mich lange nicht entscheiden und würde den ganzen Laden aufhalten ...“
„Wie rücksichtsvoll!“
Kurzer Kontrollblick in den Rückspiegel. In seinem breiten Grinsen versenkte er fast den ganzen Restapfel und riss ihn krachend entzwei. Der reinste König der Löwen beim verschlingen seiner blutigen Beute. Ja, ja, dachte ich, die Vegetarios. Zugedröhnt und hungrig irren sie durch den nächtlichen Dschungel namens Großstadt.
Einen Randparker umschiffen.
Noch mal blicken.
Bisher roch der Film nach Wiederholung.
Mit welcher Geschwindigkeit der Restapfel in ihm verschwand! Schon hatte er das Fenster heruntergelassen und das Kerngehäuse hinausbefördert.
„Hehe“, sagte ich. Weniger, um ihn zu tadeln, mehr um klarzustellen wer in diesem Käfig die Oberhoheit hatte, insbesondere bei illegalen Handlungen, wie Sachen aus dem fahrenden Wagen zu werfen.
„Oach“, grinste er. Und als wenn ich es nicht verstanden hätte, legte er mit kokett rollenden Augen nach: „Sie verraten mich doch nicht? Ich bin nämlich Professor. Wenn wir erwischt werden, schadet das meinem Ruf.“
„Da sag mal einer, Männer verstünden sich nicht auf charmantes Wimpergeklimper!“ Zum Zeichen, dass alles gut sei, grinste ich meinerseits breit – um nicht zu sagen, machte mich in Selbstekel erregender Weise mit ihm gemein: Ich ließ meinerseits das Fenster herunter und warf den in der Mittelkonsole vor einer halben Stunde erkalteten, noch halb vollen Kaffeebecher hinaus und drehte mich kurz zu ihm um: „Sie verraten mich doch nicht, Professor ... Professor für was?“

Er hatte irritiert im Kauen innegehalten. Mach den Kinnladen wieder zu, ist ja widerlich, lag mir auf der Zunge - während auf seiner Zunge Apfelstückchen und Speichelfäden einen gar lustigen Reigen aufführten. Aber war ich meine Mutter? Nein. Die hätte niemals auch nur irgendetwas aus dem Fenster geworfen. Schon weil der Luftzug ihre Verspannungen hervorgeholen könnte.
In die Eisen. Rote Ampel. Hätten wir noch geschafft. Aber in der Großstadt ja immer dieser Verkehr. Sogar noch nach Mitternacht. In der Nacht. In der Woche. Ging denn gar keiner mehr am Morgen Arbeiten! Angeblich gab es doch zwei Millionen mehr Jobs. Naja, waren wohl alles zweit- und Drittjobs. Vom Taxifahren zu leben, wurde auch jeden Tag etwas schwieriger. War ja nichts mehr Wert, diese Kohle, die es dafür gab. Manche unkten dieser Tage schon, dass es demnächst einen neuen Dollar geben würde und im Zuge dessen alle großen Zentralbanken mitstürzten.
Hinten war es still geworden. Er glotzte stumpf in die Welt.
Anfahren. Bremsen. Fahren. Anbremsen. Ausweichen. Aufdrehen. Anbremsen. Ohne Automatik die reinste Hölle.
Dann begriff ich, wo der Professor die ganze Zeit hinstarrte. Neben uns eierte so ein SUV heran. Mit, nein, nicht mit einmaliger Platinblondine im Fond. Nein. Sondern mit braunverschmierter Frontscheibe. Ich sah gerade noch meinen Pappbecher auf der anderen Seite in das Dunkel der Nacht hinforttänzeln.
Ich sah zu, dass wir wegkamen, bevor der SUV den vollen Durchblick bekam.
„Wenn man den Menschen in der Schule ein paar Grundbegriffe des Wirtschaftens beibringen würde – und ich meine nicht Zahlen zusammenzählen ...“ Er war in seinen Dozentenmodus verfallen. Egal wie angeschiggert er schien, seinen Stoff konnte er offensichtlich aus dem Stand, im Schlaf, glotzend und schmatzend ...
„... sondern?“ Geschickte Driver steuern den Gast in die Zufriedenheit, in dem sie ihm ein wohliges Bett bereiten, auf dem er sich in seiner Story als Held präsentieren kann. Wenn er auch noch den Part des Erzählers übernehmen mochte, bitte. Um so billiger kam ich davon. Also ganz billig natürlich nie. Denn ein Held braucht einen Gegenspieler, in dessen Niederlage er sich suhlen und glänzen kann. Wo kam der Begriff Asphaltnutte noch her?
„Beispiel?“ Fahrgäste sind einsA Fachleute für rhetorische Fragen! Aber immerhin: Bisher hatte er noch die zwei innert einer Minute nach Einstieg meistgestellten Fragen abgesondert. 'Viel los heute?', war die eine. 'Erste Tour oder letzte Tour?', die andere. Der hier hatte ein Anliegen. Das verdiente ein Minimum mehr an Aufmerksamkeit. Soviel Service darf es schon mal sein.
„Ääähh... Ja, bitte“, riss ich mich interessiert gebend zusammen und öffnete damit seinem eitlen Wollen die endgültig die Tür.
„Alles Geld sind Schuldscheine. Ohne Kredit kein Geld. Wenn der Staat Schulden hat, dann hat irgendwer was gut bei ihm. So geht Bilanz. Verstehen Sie?“ (Noch so eine rhetorische Frage) „Doppelte Buchführung. Verstehen Sie?“ (Und noch eine.) „Aber in den Nachrichten läuft die Druckerpresse. Plakative Propaganda. Angstmache. Wenn Frau Merkel den Staat auffordert, wie die schwäbische Hausfrau zu rechnen, dann ist das Volksverdummung.“
„Aber ich muss doch auch sparen, damit ich lang komme.“
„Ein Gemeinwesen ist aber erstens kein Wirtschaftsunternehmen und auch nicht ihr privater Haushalt und zweitens sind die Schuldscheine ja irgendwann wieder einlösbar – auf der anderen Seite der Bilanz hat doch einer was gegeben, da hat doch einer eine Forderung.“
„Ein Geldschein ist ein Schuldschein, ja?“
„Ja doch. Stand auf den alten Reichmarkscheinen auch noch drauf: dafür gibt es so und soviel in Gold. Garantiert.“
„Gold kann ich mir aber nicht leisten.“
„Wozu auch", maulte er. „Und die Goldpreisbindung gilt ja auch nicht mehr. Bei den Amis nicht mehr, seit ihnen Vietnam zu teuer wurde. Hätten die nie mehr einlösen können. Die drucken wirklich ständig nach ...“
„Aha, die Amerikaner, die lassen die Presse also ständig laufen?“
„Die ja.“
„Also doch!“
„Ja, die können es ja auch.“
„Wieso nur die? Wieso machen wir es nicht genauso?“
„Gegenfrage: Wer braucht denn schon den Euro?“
„Wer braucht denn den Dollar!“ konterte ich.
„Jeder der Rohstoffe einkaufen möchte.“
„Jetzt kommt wieder die Leier von der Exportnation ohne Rohstoffe, von der lieben Industrie, die uns Wohlstand und Demokratie ermöglicht, und von den Friseuren, Bäckern und Taxifahrern, die eben nicht so wichtig sind ...“
„Und GasWasserScheiße! - Auch ein spannendes Thema!“ frohlockte es aus dem Fond und setzte dem zweiten Apfel mit einem saftigen Radau zu. „Wir müssen nach Links!“

Wir mussten nach links. Nebenbei auch noch dirigieren! Solche hatte ich vielleicht gern.
Ich setzte den Blinker und beobachtete das Geschehen von Links und von Rechts. Er kau-schmatz-te genüsslich und beobachtete zwei Fahrradfahrerinnen, die längsseits kamen. Hotpants und alles.
„Wirtschaftsprofessor?“ warf ich einen erneuten schnellen, fragenden Blick in den Spiegel, um gleich danach bei voller Konzentration voraus in den Querverkehr einzufädeln, ohne die Radfahrerinnen umzuwerfen, die gleichzeitig in die Pedale stiegen. Was so um Mitternacht noch an Verkehr rund um die Alster ... in den Vororten dagegen Totentanz. Schon ab Winterhude.
„VWL“ schmatzte es von hinten und ergänzte ungefragt: „BWL überlassen wir denen die nur das kleine Einmaleins können. Wir sind mehr so für die Zusammenhänge zuständig. Die nur für das Abrechnen der Sklaverei. Sind selber Sklaven. Solche kann man einkaufen.“
„Sie also ... der spannendere Teil sozusagen?“ Ich ersparte uns das Nachfragen 'VWL?', 'BWL?', und 'wat dat denn?'. Mit manchen Jungs musste gleich in medias res.
Wir flossen jetzt zweispurig stadtauswärts. Zugezogene begeisterte diese Straße immer: Sie drehte ab vier Uhr die Richtung. Dann floß der Verkehr in Richtung City. Alsterseitig die ehemaligen Besitztümer der Familie Sierich, rechtsseitig, die der Familie Gertig. Mindestens einer davon war kein armer Goldschmied gewesen – oder so ähnlich. Stadtführungen waren mein Ding nicht. Das überließ ich anderen.
„Wieso denn jetzt dürfen die Amis nachdrucken! Bloß wegen dem das Dollar draufsteht?“
„Trotz aller Orakelei “, rückte sich er sich zurecht, „der Dollar ist immer noch die einzige Währung in der sie Öl und einiges andere handeln können. Und dann sitzen sie auf den Dollars und können dafür gar nicht so viele Yachten und Drittwohnsitze kaufen, wie sie Schotter haben – in den USA. Die Dollars verlassen sozusagen nie die USA. Okay. Sie sind ihre Rohstoffe los und haften gerade für die Feldzüge der USA - auch für die gegen sie selbst. Okay, das lässt sich lösen, das Problem – würde ich als Economic Hit Man mal so sagen. Sie suchen sich einfach ihrerseits nen Dummen."
Kabuuum-kabäääng. Wir schrammten über ein Bodenwelle. Er stieß sich nicht den Kopf. Im Gegensatz, er lehnte da, wie ein nasser Sandsack. Ungerührt fuhr er fort:
„Will sagen, ihre eigene Bevölkerung verhungert gerade. Aber ansonsten alles chico. Ihnen geht es ja gut. Sie sind an der Macht, fahren nen dicken Schlitten, Brilles, Bräute und so weiter. Eigentlich nur ein Statthalter. Aber ein bestbezahlter. Und warum ihre Leute sparen müssen, das lassen sie denen einfach vom IWF erklären. Dafür sind die da. Die stellen ihnen dann auch die Berater, stricken Sparkonzepte und so weiter und so fort. Außer ab und mal einen Aufstand niederkartätschen lassen zu müssen, haben sie ein ruhiges Leben.“
„Dann gehört das geändert!“ polterte ich ein bisschen künstliche Empörung daher.
„Haben Sie mal kurz eine Armee mit über sechshundert Militärbasen weltweit zur Verfügung?“
Er sah mich fordernd aus großen Augen durch den Rückspiegel an.
„Äh, wieso, ich dachte es geht um Handel?“
„Es geht um die Wurscht. Merken: beim Dollar, immer um die Wurscht!“
„Sie meinen um die Macht?“
„Die alte Parole ‚Wer das Geld hat, hat die Macht. Und wer die Macht hat das Recht.’, greift zu kurz. Es müsste heißen: ‚...das Recht des Stärkeren.’ Denn was passierte, wenn einer zum Beispiel Öl in Euro handeln wollte – nur mal so angenommen?“
„Oha. Sie spielen auf Kadhafi an?“ Das hatte ich mal gehört. Wahrscheinlich von einem anderen Fahrgast. TV-Nachrichten empfand ich als albern bunt, mit viel zu viel Sport, und Zeitungen las ich seit Jahren nicht mehr. Papierverschwendung.
Sein „Meinetwegen auch der.“ Hörte sich wie ‚Na, ein bisschen was haben Sie von der Welt ja doch schon gehört’ an.
„Okay. Sie meinen also, wer das Maschinengewehr halten kann, der bestimmt auch, in welcher Währung gehandelt wird?“
„Und wer brav im Kielwasser schwimmt – wir schicken ja nur die Aufklärer (zu Wasser, zu Lande und per Awaks) – der bekommt sein gerüttelt Anteil.“
Für einige Minuten glitten wir schweigend dahin.

„Aber nicht jeden kriegen die bei den Eiern“, murmelte ich mehr, denn das ich sprach.
„An wen denken Sie?“
„Die Lateinamerikaner, die die Amis mitsamt Ölkonzernen und IWF zum Teufel gejagt haben.“
„Stimmt, das war hart. Aber der lange Arm des Imperiums reicht immerhin so weit, dass diese Länder kaum von der Stelle kommen...“
„Aber der Hugo Cháves war ein amüsantes Kerlchen.“ Ich war zu Frotzeleien aufgelegt.
„Weil er die Ingenieure selbst ausgebildet hat?“
„Nein, weil er Frau Merkel mal begrüßt hat mit: ‚Tach, Sie sind doch die Chefin der NSDAP-NachfolgePartei?’“
„Ehrlich, hat er das?“
„Man sagt so. Ich war nicht dabei. Kann ja mit meinem Taxi nicht überall sein!“
„Verstehe, verstehe. Verziehen und vergeben!“
„Danke. Danke.“
„Lassen Sie mich das noch bemerken, Sie hören offenbar so einiges hier von der Couch.“ Jetzt hatte er doch eine dieser Standardphrasen des gemeinen Gastes gebraucht. „Über George Dabbelju soll der Cháves ja gesagt haben: ‚ein Ignorant, ein Esel, ein kranker Mann, ein unmoralischer, feiger Lügner, ein Völkermörder. Und ein Trunkenbold. Irgendwie lächerlich!’“
„Wie jetzt, 'lächerlich'? Der Schorsch zwei oder der Hugo?“
Der reinste Stammtisch das. Ich sah ihn im Spiegel abbeißen, die Bissstelle eingehend betrachten und dann bedächtig kauend die Schultern hochziehen. So geht Weltpolitik: Keiner hat ne Ahnung, aber alle reden mit. Und er war noch nicht fertig. Und wir hatten noch mindestens sieben Minuten zusammen. Da könnten wir noch schnell mal die Globalisierung rauf und runter. Oder ob Schland mehr Flüchtlinge. Aber die Afrikaner müssen wirtschaften lernen. Wie geht eine Leistungsgesellschaft? Was trägt der Sport bei? Stinkt Scheiße? Und vor allem: Wer hat sie am Schuh! Er übernahm wieder die Rede.

„Aber ab von diesen Polit-Scharmützeln. Noch viel verrückter wird es, wenn die Banken Geld erschaffen, aus Nichts, Fiat- money – es werde Geld! Die bringen gerade mal ein Prozent eigenes, echtes Geld mit. Der Rest ist ein Buchungssatz mit bilanzverlängernder Wirkung. Das ist nicht mal Falschgeld. Das gibt es gar nicht. Merke: Banken verleihen kein Geld! Sie erschaffen es. Frische Ware. Sozusagen frisch von Theke. Da haben die dann Forderungen und Verbindlichkeiten an dieselbe Person ...“
Ich kam nicht mehr mit. Ein echter Professor – oder einer dieser wirren Geister, die das Internet vollschrieben – oder Taxifahrer volllaberten? Die Ampel vor uns war schon lange orange. Ich gab Gas. Forderungen und Verbindlichkeiten an dieselbe Person. Mensch! Wollte der mich verarschen? Ich war selbst lange genug Unternehmer. Ich durfte so etwas nicht! Okay. Ich durfte so einiges nicht, was anderen durchging und denen dann hochherrschaftlich der Arsch noch und noch mit Steuermilliarden gepampert wurde.
„Wieso brauchen die dann Milliardenhilfen?“ schnippte ich.
„Merke: es gibt keine Krise. Wohl aber ein großes Abkassieren. Da werden Schulden verlagert. Der Deutsche hat einfach zu fette Sparbücher. Und der Grieche zu schöne Inseln. Das weckt Begehrlichkeiten. Das muss doch einfach irgendwie samt und sonders in die Hände der Bänker. Die Inseln kaufen sich die Bankster jetzt von ihrem Sparbuch.“ Er holte kurz Luft. „Wenn die die Geldmenge weiter aufblähen wollen, dann brauchen die ja immer noch diese kleine Basis echtes Geld. Deshalb wollen die an ihre Kohle ran. Und dann werden wieder fröhlich Kredite vergeben und Menschen in die Zahlungsunfähigkeit getrieben. Immer derselbe Trick. Die sammeln die Ländereien und die Rohstoffe, während die Haftung auf sie verlagert wird.“ Er war mir mit seinen Ableitungen enteilt. Ich lauschte etwas mehr auf das Schnurren des Diesels.

Wir schossen mit Lichtgeschwindigkeit durch das dunkle Alstertal. Zumindest schaffte es unser eigener Scheinwerferkegel nicht schneller, als wir selbst zu sein.
„Ich will’s mal so sagen, schlicht gesprochen: Die Typen betreiben ein gigantisches, weltweites Schneeballsystem. Wenn Sie und ich so was aufziehen würden, dann würden wir in den Knast wandern – so wie der Dings, der ... na, der ... nun helfen Sie schon ...“
„...Madoff?“
„Der Madoff, ja! Der ist in'n Bau. Wenn die das aber machen, dann ist das system-relevant. Eigentlich sollte der Staat das Geld ausgeben – und die damit verbundenen Gebühren kassieren. Das tut er aber nicht. Er hat das Geldregal den Bankstern überlassen. Nur das bisschen Bargeld gibt er noch selbst aus. Aber das meiste Geld entsteht in den Banken. Als Buchgeld. Außer sie wollen ihren Kredit in bar ausgezahlt bekommen ... Wenn der Staat das Geld allein ausgeben, also ‚schöpfen’ würde, dann würde er so viele Gebühren einnehmen – Deutschland wäre in ein paar Jahren schuldenfrei.“
„Echt jetzt“, murmelte ich und konzentrierte mich auf zwei Lichter, die in der Ferne herumbleierten. Es waren keine zwei. Es war ein zickzack fahrender Radler mit einer dieser elenden Blinkbeleuchtungen, die man in der Dunkelheit nicht richtig verorten kann. „Lebensmüde Typen das!“ fluchte leise in das Lenkrad, während ich uns um den Irren herumbugsierte. Laut sagte ich: „Aber dann hätten wir ja kein Geld mehr – wenn alle Schulden getilgt würden?“
„Machen Sie sich keine Sorgen. Irgendwie sind alle immer verschuldet. - Aber wenn sie einen Kredit abbezahlt haben, wissen Sie, wie das dann heißt?“
„Ich habe keinen Kredit!“
„Geldvernichtung“, überging er meine Lage. „Weil dann ist der schräge Buchungssatz wieder weg.“
„Ich dachte immer Geldvernichtung ist das, was unsere Regierung betreibt, wenn wir die Griechen sponsern ...“
„Fragen Sie mal nen Banker. Der wird ihnen das bestätigen. Die lernen das in der Berufsschule. Im Zweifel hab’ ich ihm das dann erst an der Uni beigebracht.“ Ein frischer Zug erreichte meinen Nacken. Er hatte das Fenster ein paar Zentimeter geöffnet und quetschte das Kerngehäuse des zweiten Apfel hinaus. „Wieso haben Sie keinen Kredit?“
O. Er hatte bemerkt, dass er es mit mehr als einem paar Ohren, die ein Lenkrad hielten, zu tun hatte.
„Ich bekomme keinen! Aber meine Papiere darf ich alle paar Jahre auf die Behörde schleppen. Samt Bescheinigungen von Versicherungen, Finanzamt etc. Hinterziehen kann ich nichts ... Und damit unsere Herrschaften die Griechen retten können, darf ich jetzt noch ein Fiskaltaxameter einbauen, dass mit jedem Schichtende die Daten für das Finanzamt speichert ...“
„Dann muss ich Ihnen“, jetzt wurde er verschwörerisch, setzte sich auf und drückte vorgebeugt seine Arme in die Ecken der Kopfstützen der Vordersitze. Er grinte mir ins Ohr, „Dann muss ich Ihnen den Tip ja so geben?“
„Sowieso.“
Die Alte Landstraße. Um diese Zeit so gut wie nie ein Blitzer. Gaspedal durchdrücken.

Halb warf sich, halb flog der Professor in die Kissen, klatschte an die Rücklehne. Im Kofferraum rumorte das Pannenwerkzeug.
„Sowieso, und jawoll!“ keuchte er, mit verunglücktem Salutieren und von der Fliehkraft eingefrorenem Grinsen, bemüht weiterhin den fröhlich-sorglosen Nachtschwärmer in Plauderlaune zu geben.
„Glauben Sie denn etwa wirklich, dass Sie auch nur einem Griechen geholfen haben?“
„Wem denn?“
„Auf der griechischen Bühne wird gerade ein Schauspiel aufgeführt, in dem es um nichts weniger als um die Vorherrschaft der kommenden Welthandelswährung geht. Auf Jahrzehnte. Dabei noch um ein bisschen griechisches Gas. Und ein klitzekleines bisschen Öl.“

„Olivenöl – oder was?“
Er überhörte meine Bemerkung (mal wieder). „Vor allem aber darf der Euro nicht den Dollar ablösen. Dafür würden die Amis die Griechen sogar freikaufen. Was glauben Sie, was Muddi Clinton den Griechen bei ihrem letzten Besuch angeboten hat? Was glauben Sie, warum der Öko-Fischer in Nabucco das hohe Lied der Pi-pe-li-ne“, er sprach es in einzelnen Silben Pi pe li ne, „singt. Oder warum Gazprom für die Süd-Pi-pe-li-ne Voscherau - “
„ - unseren Ex-Bürgermeister?“
„Klar doch. Die mischen da alle fröhlich mit. Und jetzt stellen sie sich mal vor, dass der Obergrieche - der der Welt sofort nach seiner Wahl verraten hat, was er gerade erst frisch entdeckt haben wollte: ‚Goldman Sachs hat uns die Euro-Eintrittskarte gefälscht’ - also dass dieser Obergrieche ein ehemaliger IWF-Mann war. Und stellen sich weiter vor, dass der IWF nicht die Caritas ist, sondern der Mann in Schwarz, den das Kapital mit dem großen Hund an der Seite vorbeischickt, wenn sie blank sind. Aber wenn sie blank sind, dann gibt es ja immer noch Ländereien und Rohstoffe zu verteilen. Und deshalb ist in Deutschland ja auch der Ärger über das fehlende griechische Liegenschaftskataster so groß.“ Jetzt war so richtig in Fahrt. „Da weiß der deutsche Bänker ja gar nicht, wo er zuerst enteignen lassen soll. Also via IWF. Also als ‚Rettungspaket’ getarnt. Aber das sind keine Carepakete, wie ihre Eltern die kennen! Das ist eher wie mit der Entwicklungshilfe. Sie denken, dass da geholfen wird. Nein, das Geld verlässt niemals die BRD – so wie der Petrodollar niemals die USA verläßt. Der Geldtransporter nach Griechenland fährt von Berlin über eine Tiefgarage in Frankfurt Bankfurt und die gehört der Deutschen Bank. Und bei der Entwicklungshilfe bleibt das Geld in den Händen der Entwicklungsindustrie. Und sie und ihr Taxameter subventionieren das alles.“
„Hört sich eher wie eine Umverteilung von Gemeinvermögen in Privatvermögen an.“
„Sie haben es erfasst! Das sind natürlich keine Subventionen. Das sind knallharte Enteignungen. Ausgesaugt werden in der Regel die Besitzer von Rohstoffen und ihrereiner! Bei der Bankenhilfe genauso. Sie werden ausgenommen. Die Griechen aber auch. Es gibt keine Krise!“ wurde er laut. „Es ist einfach nur eine Zeit des Abkassierens.“
„Aber ich merk doch, dass die Leute kein Geld mehr für’s Taxi haben?“
„Ja, für Sie ist es Krise. Aber doch nicht für die Großen. Die machen gerade Kasse!“
„Ich habe noch nie begriffen, warum man eine Bank nicht abwickeln kann.“
„Man kann. Man will nicht. Außer sie steht in Konkurrenz zur Regierung und ihren Goldman-Jungs, siehe die Lehman Brüder. Gucken sie sich immer gut an, wer mit wem studiert hat, wer wem, in welche Ämter verhilft, kurz: wer, mit wem ins Bett geht. Aber bitte nicht in der 'Bunten'.“ Er öffnete das Fenster einen Spalt und wurde wieder lauter, um den sausenden Luftzug zu übertönen. „Wir leben in einer komplett korrupten Welt. Die Eliten in diesem Land sind verschwippschwägert mit den Kassierern. Und die mit den Statthaltern. Und alle zusammen haben sie mal das eine oder andere Jahr bei einem Laden wie Goldman Sachs gedient. Oder sitzen in Beratergremien von Regierungen – wenn nicht gleich am Kabinettstisch. Ja! Was glauben denn sie?“ (Hatte ich skeptisch geguckt?) „Goldman Sachs sitzt auch bei Angie am Tisch. Denken sie an Issing. Diese Typen koordinieren die ganze Chose. Machen Sie sich nichts vor!“ (Warum sollte ich?) „Sie können es auch so sehen, dass wir, also Sie, ‚unsere’ Banken in einem transatlantischen Weltwirtschaftskrieg gepampert haben. Nur so rum angepriesen, da hätte das dann ja keiner mitgemacht.“ Darüber hatte ich, ehrlich gesagt, noch nie nachgedacht. Ich verstand nur noch Chinesisch. Und überhaupt: Hatte man uns nicht immer mit der gelben Gefahr gedroht? Wahlweise mit den russischen Oligarchen, den schlimmen Fingern? Und jetzt sollten es unsere Befreier, unsere liebsten Verbündeten, diese demokratischen Lichtgestalten aus den USA sein, die uns Übles wollten? Ich fagte lieber nicht, und konzentrierte mich auf eine Kreuzung, auf der die Lichter ausgefallen waren. Die orangenen Ampeln blinkten in einem wirren Rhythmus durcheinander, und das Neon der Peitschen war komplett ausgefallen. Zu allem Überfluss verschleierte plötzlich ein leichter Nieselschauer die Frontscheibe.

„Fehlt noch, dass Obama den Währungskrieg in Syrien in einen echten Krieg eskalieren lässt ...“, dachte ich laut in die Nacht hinaus.
„Ha. Jetzt entwickeln Sie aber mächtig Fantasien, Sie Schelm, Sie!“
Er wackelte heftig mit dem erhobenen Zeigefinger und zeigte dann mit dem Zeigefinger auf mich (im Spiegel). Wie man es von Uncle Sams Plakaten kennt: ‚I want you!’. Einige längere Sekunden schweigend. Aber er war noch lange nicht fertig.
„Und wer hat die derzeit größten erschlossenen Gasfelder der Welt? Die Ayatollahs. Und wer droht denen seit Jahren die im Alleingang platt zu machen? Israel. Wer baut seine zweihundert Meilen frech zum Libanon hin aus? Sie ahnen es schon: Israel. Wer baut den weltgrößten Gastankerhafen auf Zypern? Wer hat ein Interesse daran Zypern zu einem Hort russischer Oligarchen schlecht zu reden? Was hatten die noch für Schulden?“ Ich zuckte lakonisch mit den Schultern. „Achja, was dennnnn! Davon bauen die sich in Stuttgart nen Bahnhof. Der Badenwürtemberger sitzt so ein Sümmchen auf einer Arschbacke ab. So was sind doch keine reellen Schulden. Da ist ja in jeder Kneipe auf dem Deckel mehr los! Lächerlich! Diese Länder werden systematisch zerschossen. Rund um's Mittelmeer finden sie Gas. Zypern, vor allem aber Kreta, sollen das meiste haben, mehr als der Ayatollahs. Die ganze Region wurde destabilisiert. Von wegen Arabischer Frühling und Demokratie. Alles nur lächerliches Beiwerk. Und was macht die faulige EU: zugucken!“
Er ließ das Fenster ganz hinunter, steckte den Kopf weit hinaus und brüllte: „Lächerlich!“ Wenn's denn hilft, dachte ich, und drückte auf die Tube. Je mehr Ventilation, desto mehr kühlt er vielleicht wieder herrunter. In der nächsten Kurve bot ich ihm an: „Ansonsten könnten wir auch in den Wald fahren, um ein bisschen herum zu schreien? Therapeutisches Schreien kostet aber extra!" Er reagierte nicht. Seine drei Haare flatterten im Wind.

„Und ich dachte immer“, brüllte ich nun meinerseits, „die Lateinamerikaner hätten den IWF in die Knie gezwungen, weil sie ihn einfach nicht mehr akzeptiert haben. Und das war's.“
Mein Prof. zog den Kopf wieder rein. „Stimmt im Groben und Ganzen. Aber Merkel hat ihn – sogar gegen Rolli-Schäuble – hier nach Europa reingeholt und damit sozusagen wiederbelebt.“ Er neigte sich wieder vor. Fast flüsterte er. „Die spielen immer dasselbe Spiel: billige Kredite vergeben, inflationieren, Kreditnehmer können nicht mehr zahlen, Sicherheiten kassieren, auf Deutsch: enteignen, und wenn die 'Reformen' stocken, dann kommt der IWF. Solche Typen kennen keine Grenze zwischen Deutschland und Griechenland. Die kennen nur oben und unten. Das Gesindel agiert immer international. Und Madame No ist ihre Frau in Germany. Dr. No, Sie wissen schon. Kennen Sie doch noch?“
„Moment mal. Enteignungen, die gab es nur in der DDR!“ Jetzt war ich mal mit überhören seiner Frage dran.
„Sind sie so naiv?“ polterte er direkt neben meinem Ohr. „Doping gab es auch nur in der Tätärä, was! Merke: Der Sinn und Zweck von kapitalistischem Wirtschaften ist Enteignen. Oder warum gibt es Loan-to-own-Strategies, warum werden Zinsen aufgerufen, die kein Mensch je bezahlen kann, warum wird im Überfluss vorhandenes ständig künstlich verknappt.“ Er wurde etwas leiser. „So besehen: Wir leben in der Mangelwirtschaft. Merke erstens: Kapitalismus ist die Wirtschaftsform, in der permanent enteignet wird. Und zweitens: Kapitalismus ist Mangelwirtschaft. Mal ab davon, dass wir auf diese Art Menschen ständig aufeinanderhetzen. Zinseszinsen, die nicht zu erwirtschaften sind, die bei der Luftgeldausgabe nicht mit ausgegeben werden, dass heißt: Sie müssen es sich von ihrem Nachbarn holen – und der von ihnen. Das geht sich bilanziell schlicht nicht aus. Funzt nicht. Never. Ist idiotisch. Schon der Idee her. Oder perfide. Je nachdem, wie Sie wollen. Außer Sie erklären deren Kettenbriefwirtschaft für system-relevant ...“
„Aber das hieße ja, es ist einkalkuliert ...“
„Aber sicher doch! Es ist einkalkuliert, dass irgendwelche zwanzig Prozent der Menschheit verhungern – obwohl wir zweimal so viel Lebensmittel produzieren, wie nötig!“ Er schnaufte durch. Professor hin oder her, sein Zorn war echt. „Da vorn bitte rechts.“
„Okay.“
„Und wenn Sie glauben sollten, dass Sie sich etwas erarbeitet haben, ihr Häuschen, oder die Karre hier ...“
„Karre?“
„Pardon, das gute Stück, diese herrliche deutsche Wertarbeit .... Aber haben Sie mal eine Lebensbilanz aufgestellt? Haben Sie mehr Zinseinnahmen als Zinsaufwendungen gehabt? Nee? Haben die Allermeisten nicht. Sie haben also zugesetzt. Sie leben in der Sklaverei. Nur merken Sie das nicht. Sie dürfen sich einbilden, sich etwas erarbeitet haben. Dabei haben Sie ca. zwei Drittel ihres Tages für andere gearbeitet. Und glauben Sie es, nicht für die Griechen, oder die Hartzer oder oder oder – nein, es sind ca. vier Prozent, denen in diesem Land neunzig Prozent von allem gehört. Denken Sie mal dran, wenn Sie durch die Straßen gehen. Jede zehnte Gehwegplatte teilen Sie sich mit achtzig Millionen anderen – der Rest gehört einer ganz kleinen Minderheit. Die beschützt die FDP in Wirklichkeit ...“
„Da hilft nur Umfairteilung.“
„Aber in die andere Richtung als heute! Hier läuft das aber so: Sie zahlen Steuern, der Deutschbänker kriegt es hinten reingeschaufelt. Hier wird permanent Gemeineigentum privatisiert, unfairteilt sozusagen. Und das sagen die Handlanger in den Parlamenten ja auch die ganze Zeit ganz offen. Nur ist ihre Begründung schwammig bis ideologisch. Sie trauen dem Staat nicht zu, ‚dass er wirtschaften könnte’, bla bla. Aber dann sollten sie auf Steuererhebungen gänzlich verzichten. Das wäre konsequent!“
„Also keine Reichensteuer, Börsensteuer, einheitliche europäische Unternehmenssteuer und was man in den letzten Jahren nicht noch alles so gehört hat?“
„Es würde reichen, wenn Sie die Bunkerer zwingen würden, die Summen, die die durch ihr horten dem Wirtschaftskreislauf entziehen, wieder einzubringen. Dann könnten andere die Kohle wieder erarbeiten.“ Aha. Seine Modulation ließ erkennen, dass wir zum ordinären Teil kamen. Dann konnte der Höhepunkt ja nicht mehr weit sein. Poptown war auch fast erreicht.

„Eigentlich haben wir ja Kommunismus, organisieren ihnen aber absurderweise kapitalistisch – und lassen die Kommunen verhungern. Geld ab einer Million auf dem Konto sollte ein Verfallsdatum haben, schlecht werden, weniger Wert werden, mit einem negativen Zins versehen werden. Und gleichzeitig bieten sie denen dazu noch Investitionsmöglichkeiten, meinetwegen auch ’ne knuffige Energiewende.“
„Nee. Die will ich nicht. Die haben gerade beschlossen, dass mein Vermieter uns Mietern bis zum Sankt Nimmerleinstag seine Kosten drei, vier und fünf mal überhelfen darf.“
„Sehen Sie. Alles was diese Typen machen, dient nur den vier Prozent. Stellen Sie wirklich mal eine Lebensbilanz auf. Ich wette, dass die bei Ihnen negativ ausfällt. Und zwar deutlich negativ.“
„Und Sie machen wirklich Briefwahl?“
„Nein. Das war ein Scherz. Ich bin Beamter.“ Er lachte kurz auf und grinste dann. „Ich wähle immer rechts. Also CDU oder SPD.“ Er grinste immer breiter. „Da vorne links ums Eck, da können Sie halten.“
„Die Schrebergartenkolonie?“, spielte ich den entsetzt spitz Aufschreienden.
Inzwischen grinste er von Ohr zu Ohr. Ich stoppte für den apfelfressenden, schlechtmanierlichen was-auch-immer-er-nun-war Beamtenprofessor mit Hang zur Dauerrede vor einer dieser typischen in den Winkel massierten Buchenhecken.
„Kann ich mit Karte zahlen?“
„Es sei Geld!“
„Sie wollen bunte bedruckte Zettel?“
Ich wollte. Aber ich sagte: „Nuggets. Echte Nuggets. Reiß raus die Dinger!“ Er reichte mir einen Fuffi nach vorne.
„Stimmt so.“
Und dann war er auch schon weg.
Wie die Typen plötzlich wieder wach und sprunglebendig sein konnten, wenn es nach Hause auf die eigene Matratze ging! Immer dasselbe.

Noch eine halbe Stunde, dann erwartete mich mein erster Gast zum Flughafen. Europaabgeordneter der Sozen. Für die Bundestagswahl war das Verlieren schon eingeplant, so der Tenor letzte Woche. Für heute hatte ich ein paar neue Begriffe, die wir durchkauen konnten.

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Bankgeheimnis gelüftet: Banken verleihen Geld, sie schreiben 'Bilanzverlängernde Buchungssätze', die der Kreditnehmer, gegen den sie Forderungen und Verbindlichkeiten gleichzeitig haben, bis zur 'Geldvernichtung' abarbeitet. Dieses Betrugssystem wird das Volk nie durchschauen. Lieber geifert man gegen zu hohe Einkommen. Aber schon bei der Geldschöpfung geschieht das Verbrechen. (Heinzelmann)

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Unerhört:e Taxilyrik, Teil 3,

Im Taxi aufgeschnappt

(Schreibsyndikat, Stand 2013)

 

Es ist erstaunlich, welches Denken sich in 'Krisenzeiten' breit macht. Herrscht sonst schon der Überlebens-Sarkasmus, mit dem die Unerträglichkeiten des Alltags ins erträgliche umgebildert werden, schimmert jetzt in zynischen Erkenntniserlebnissen wieder mehr Wirklichkeit durch. Oder ist es mehr Ehrlichkeit? Oder einfach nur erhöhter Gesprächsbedarf?

"Wer sagt, nichts verbergen zu haben, hat nichts zu verbergen. Traurig genug."
(Stimmt)

"Auf welchen Namen wurde das Taxi bestellt?"
"Welchen haben Sie denn?"
(der Taxidieb)

"Verspätetes Oktoberfest in Hamburg."
(kein Witz)

"Die Hüfte drückt. Mach hinne. Du bist schuld, wenn heute Nacht die Klorolle meine Freundin wird."
(der Einsame)

"Sie sind aber nicht der gleiche Taxifahrer wie letzte Woche?"
(die Oktoberfestbesucherin, verheult)

"Haben Sie was gekifft?"
(Bedürdnisbefriediger1, gibt's auch mit Alk, Koks etc.)

"Sag mal hier, fahr uns Küstenkrabben mal zu deinem besten Dealer!"
(die Metal-Konzertbesucher)

"Mehr Schein als Sein."
(der Euro-Fighter (zahlte mit Dollar))

"Wenn Film 24 Bilder die Sekunde Wahrheit ist, dann ist Taxi 24/365 Wirklichkeit. Wahrheit, 1. Semester Jura: Immer überschätzt."
(der Jurastudent)

"Sagen Sie mal, junger Mann ..."
(kein Respekt mehr vor dem Alter)

"Die Leute können mit Parfüm ja nicht umgehen. Erstens nehmen sie immer zuviel, zweitens haben sie keinen Geschmack. Der eine beißt mir die Nase mit Verdünnung weg, der Nächste mit Klosteinaroma."
(Kollegenbeschwerde)

"You are allowed to tip the driver."
(auch kein Witz)

"Kann ich bei dir ein' durchziehen?"
(Bedürdnisbefriediger2, gibt's auch mit Alk, Koks etc.)

"Es geht darum die Oberklasse wertvoller zu halten. Deshalb müssen alle anderen am Flieger zwei Stunden warten. Fünf Minuten vor Abflug mit dem Privatwagen zum Flieger. So etwas bekommen Sie, wenn Sie für die Mafia arbeiten. Solange es genug Assis gibt, die gerne warten ..."
(Der stolze Berater)

"Die Welt ist unsicherer geworden. Eins aber ist sicher: unsere Daten."
(der Bankangestellte)

"Mein Kind pullert Pinicilin."
(das Paadiepiepel)

"Der Unterschied zwischen geil und pervers?
Geil ist, wenn Du die Frau mit der Feder streichelst.
Pervers ist, wenn das Huhn noch dran hängt."
(Jedermann)

"Zu Hause wartet die Alte mit dem Nudelholz."
(was soll ich sagen: es stimmte)

"Man darf es ja heute kaum noch sagen: Ich arbeite für eine Bank. Ist aber eine ganz nette Bank. Ich berate auch immer korrekt. Ich habe extra den Arbeitgeber gewechselt."
(eine andere Bankangestellte)

"Ich habe ihre Telefonnummer vergessen."
"Rufen Sie das Nächste mal Obama an. Der kennt sie."
(der Windradtechniker Montagereise)

"Der Chaos Computer Club fordert die Wiedereinführung von Grundrechten und Rechtsstaatlichkeit."
(ein Buisiness-Anzug auf Tagesausflug)

"Links!"
(wenn's hilft)

"Wer hat dieses Schulsystem bloß erfunden! Meine Kinder haben weniger Freizeit als ich."
(der Weltreisende Sportreporter)

"Was sagt eine Frau, zum Mann, der aus dem Fenster springen will? Nimm den Müll mit!"
(ein frustrierter Mann)

"Funktioniert ja super, diese App-Technik. Sind Sie auch einer dieser Idioten, die zweimal bezahlen?"
(ich verstehe nicht ganz)

"Oh, wie schön, ein deutscher Taxifahrer."
"Woher wissen Sie das?"
(Gesindel und Fremdsprachenverweigerer)

"Darf ich Ihnen zehn Euro geben, und Sie fahren mich bis zur nächsten Ecke."
(Dr. Kimble)

"Wir sind die Typen, die immer die Taxifahrer ausrauben."
(Paadiepiepel, männlich, nur ab zwei Stück à so mutig)

"Wo diskutiert man schlechter, Twitter oder Jauch?"
(Zeitung)

"Wieso kennen St. Pauli-Fans Langenhorst nicht?"
(der HSV-Fan)

"Lass mich deinen Klingelton hören und ich sag dir, wo du zur Schule gegangen bist!"
(die NDR-Mitarbeiterin)

"Aber nicht im Kofferraum einsperren."
(Paadiepiepel, weiblich, überdreht gackernd)

"So. Haben wir denn jetzt mal etwas geile Tanzmucke?"
(Paadiepiepel)

"Zur Hamburger Landesbank. Schnell. Ich muss sehen, ob die noch da ist."
(Erinnerungen an den Beginn der 'Krise')

"Ich würde kotzen, wenn mir einer ins Auto kotzt!"
(ein Allesversteher)

"Sind Sie der Taxifahrer oder ich?"
(blöde Frage)

"Fühlen Sie sich gut versichert?"
(die Arme Sau, jetzt baggert er auch schon im Taxi ...!)

"Anfang oder Ende?"
"Von was?"
"Der Schicht."
"Ich bin immer am Ende."
"Ich auch."
(der kokette Werber, verschlafen auf dem Weg zum Meeting)

"Sind Sie schon Mitglied im Verein 'Unternehmer für ein Verbot der FDP e.V.'?"
"Ich hab die gegründet!"
(Seehofer oder Seehofer Kreis, vergessen)

"Nach Hause?"
"Zu dir oder zu mir?"
(Witzbold)

"Bleiben Sie so, wie Sie sind."
(das höre ich gerne)

"Stellenbeschreibung: Datenschützer bei der NSA."
(Amerikareisende)

"Das gibt 'ne Vollklatsche."
(der SPD-Abgeordnete, vor der letzten Wahl)

"Kochsendungen sind out. Live-Kriegsteilnahme kommt."
(der Formatentwickler für das TV)

"Kennst Du einen Club, ich meine einen Herrenclub?"
(war schonn kla'!)

"Erste oder letzte Tour?"
(ein Phantasieloser variiert)

"Wenn er sich von mir trennt, dann mach ich ihn fertig! Der kann sich danach nirgendwo mehr sehen lassen."
(Lady Macbeth begegnete ich nicht das erste mal)

"Alles Schauspieler!"
(die Filmfestbesucherin)

"Ich komme irgendwann zu Euch!"
(der Mann, der für eine Spende bei den Brücken-Berbern halten ließ)

"Will der Mann Karriere machen, muss die Frau ihm den Rücken freihalten."
(Diktum eines heimlich in die Vergangenheit Träumenden)

"Geld regiert die Welt. Man könnte auch sagen: Dreck regiert die Welt."
"Und ich dachte, es sind Menschen."
(unter Filsofen)

"Wer Urlaub nötig hat, führt ein schlechtes Leben."
(Wider die Affektierten)

"Männer schwafeln psychologistisches Zeugs, von wegen 'sich öffnen' und so, halten sich für verständnisvoll und glauben am Ende selbst den Kram. Frauen verstehen 'Beine breit' und lassen sie noch ein bisschen s/zappeln."
(Aufklärung oder Anmache?)

"Man sollte nie im eigenen Zinshaus wohnen. Dann sucht man es falsch aus."
(das Rentnerpaar, Mitte dreißig)

"Wintersonne. Sommersonne."
(Lief schon letztes Jahr)

"Palim. Palim."
(Lief auch schon mal)

"Katzen und andere Wiedergänger."
(der Romantiker)

"Der Schwarze Freitag war ein Donnerstag."
(der Kalenderkenner)

"Sagen sie mal, sind Sie besoffen oder so?"
(der Angetrunkene)

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So. Das ist jetzt lustig, ja? (Rubinstein, Fahrgast)

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Unerhört:e Taxilyrik, Teil 4

Reihe Tipps und Tricks, heute: 'Der kleine Service-Praktiker'

Wie werde ich hochdekorierter Premium-Service-Betrieb (PSB)?

 

Der ultimative 10 Punkte-Plan, der deinen Betrieb ganz nach vorne bringt:

1
Nie was machen, Fahrgäste machen ja eh alles gleich wieder dreckig (dazu auch passende Fahrgastbeschimpfungen einstudieren, 'Fahrgäste sind wie Fisch, nach drei Tagen fängt ihr Dreck an zu stinken' usw.).

2
Einen Wagenmeister einstellen, der einen Wagenmeistergehilfen einstellt, der einen Reinigungsdienst kennt, der aber immer geschlossen hat.

3
Profifahrgäste einstellen, die positive Bewertungen verfassen, in einschlägigen Adressportalen, Apps usw. (Anna log schon für Hotelportale; 'Likes' kauft man in Asien oder direkt by ebay).

4
1x pro Schicht Wagen von innen kärchern. Filmen und online stellen. Wichtig: Vorher Werbevertrag mit Kärcherns machen. (Banner auf der Hompage: Parole: Dreck zu Kohle!)

5
Eine TKSK (TaxiKontrollStasiKommission) einsetzen, die bei vollem Lohnausgleich rumfährt und Kollegen Mülleimer ins Auto kippt. Sie werden aus den Starfgeldern bezahlt, die verschmutzte Karren an die ChefZentrale zu zahlen haben.

6
Für den Dschihadischiisten: Fahrern, die nie sauber machen, beide Hände abhacken. (Wir brauchen mehr Zuwanderung. Das bereichert die Kultur und beendet den Facharbeiter Service-Mangel.)

7 (der ultimative DoppelGenderZweifachTipp)
Für den Prakmatiker: Nur nachts fahren und Deckenlampen rausnehmen. Dann darfst Du auch während der Fahrten krümelige Sachen essen und mit vollem Mund reden. Für Prakmatikerinnen: Deckenlampen ruhig drinne lasse, aber viel klimper klimper mit der Wimper.

8
Nie nix machen. Aber einen kenwood-großen selbstdesignten Aufkleber 'Taxifahrer des Jahres - verliehen von die Aufsicht' auf alle fünf Sichtseiten beppen. Merke: In Deutschland darf sich jedeR 'die Aufsicht' nennen (spätestens seit 1933).

9
2x Reinigung, zur Osternacht und zum Weihnachtsfeuer, reicht über's Jahr. Dafür versprochene Prämien an Mitarbeiter nie auszahlen. Aber immer wieder Hoffnungen wecken. Das motiviert voll.

10
Man muss den Fahrgast mit der Nase reintunken und ihm einen Staubsauger in die Hand drücken. Während er saugt, muss er 3hundemal wiederholen: 'ich gebe nie wieder kein Trinkgeld nich''.

 

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Fahrgäste sind Schweine. Sie grunzen wie die Ferkel, und ferkeln wie die Grunzer. (Meister Eckhardt)

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Unerhört:e Taxilyrik, Teil 5

100 verbotene Fragen in Taxis (Auszug)

(Schreibsyndikat, Stand 2013)

(Schreibsyndikat, Stand 2013)

Die verbotenen 100 - ein für alle mal beantwortet (Auszug).

Was war ihre längste Tour? - St. Pauli-Nord nach St- Pauli-Süd.
Erste Tour? - Nee, Letzte.
Letzte Tour? - Nee, Erste.
Schon die ganze Nacht auf? - Sieht man wohl.
Schon mal einer ins Auto gekotzt? - Jeden Tag. Riecht man doch!
Darf ich Sie mal was fragen? - Nö.
Heute schon geduscht? - Beim Teutates!
Sind sie frei? - Gegenfrage: Noch oder nur?
Lohnt sich Taxifahrer heute noch? - Ja ja, früher ... So jung, kommen wir nie wieder ...
Können wir auch für den halben Preis aber bar? - Und Tschüss.
Nehmen sie auch sechs Leute mit? - Inner Limo?
Kann ich mal ihr Telefon benutzen? - Never ever.
Das ist ihr Privattaxi? - Was ist ein Privattaxi?
Wo ist denn hier noch was los? - Hier in der Provinzhauptstadt?
Kennen Sie eine Bar? - Ja.
Haben Sie eigentlich einen Taxischein? - Nö. Wozu braucht man den denn?
Haben Sie eigentlich einen Führerschein? - Merkt man gar nicht, wa'?
Muss man heute immer noch Taxiprüfung machen? - Durchgefallen?
Muss man echt alle Straßen der Stadt kennen? - Ja, persönlich.
Kennen Sie M.? - Den M., den die Stadt sucht?
Schon mal überfallen geworden? - Und Tschüss.
Muss ich mich anschnallen? - Unbedingt.
Kennen Sie den Weg nach ...? - Das macht nen Heiermann.
Haben Sie keine Angst? - Vor Ihnen?
Kriegen Taxifahrer Rabatt bei Tickets? - Ja doch! Träum schön weiter.
Müssen Taxifahrer sich anschnallen? - Nur über 1.200km/h in geschlossenen Anstalten.
Woher wissen Taxifahrer immer wo geblitzt wird? - Pssst, Betriebsgeheimnis.
Sind Sie das Taxi? - Nein, der Fahrer.
Nehmen Sie mich mit? - Na, ich weiß nicht recht ...
Darf ich mich neben Sie setzen? - Nein, der Sitz dient nur der Deko.
Arbeiten Sie immer nachts? - Nur, nicht immer.
Dürfen Taxis Busspuren benutzen? - Nicht alle, aber immer öfter.
Haben Taxis auch einen A-Team-Knopf? - Nur wenn Sie sich an Busse dranhängen.
Was sagt denn ihre Frau dazu? - Beziehungen zu Frauen werden überschätzt.
War in der Nacht eher viel oder weniger los? - Hauptsache es sitzt immer wer neben mir.

Es ist erlaubt seinen Taxifahrer etwas besser zu unterhalten.

 

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Unerhört:e Taxilyrik, Teil 6

Polizei Nackidei

Hamburg Anfang 2014, seine Gefahrengebiete und seine Taxifahrten durch diese.

"Heute gar keine Gefahreninsel?", fragt der Fahrgast und guckt sich verwundert um. Kein Polizeiaufmarsch am Pferdemarkt mehr.
"Äh, wie meinen?", frag ich zurück. In dem Moment biegen wir um die Ecke und fünf Wannen brechen gleichzeitig aus der Haltebucht vor der Wache Lerchenstraße aus. Das Geschwader 'Überfall' rollt auf uns zu. Ein Bild, wie wenn die Schwimmer auf einen Startschuss alle gleichzeitig von den Blöcken springen. Auf dich zu!
"Oh, Einsatz", so mein Fahrgast. "Hollywood könnte es nicht besser!"
"Aber jetzt steht gar nicht mehr an jeder Ecke des Gebäudes so eine Gruppe Krieger in Panzern, wie für Weltraumkriege gerüstet!", sag ich.
"Ja, ganz schön gefährlich", sagt mein Fahrgast.
Ich gewinne den Eindruck, dass Hamburgs Autoritäten sich bei den Bürgern gerade recht lächerlich machen. Welcome to Danger Island!

Mitternacht. Ich steh ganz unschuldig mit meinem Taxi an der Ampel Hein-Hoyer-Straße, gegenüber der Davidwache. Da plötzlich. Auf der Reeperbahn schieben die Beamten ihre blaublinkenden Wannen vor die Wache und vor die Davidstraße. Gleichzeitg Aufmarsch der Gladiatoren mit Gelenkpanzern und Taucherhelmen. Ich denke: Das wär doch nicht nötig gewesen, zuviel der Ehre! "Ich bin's doch nur", spreche ich in die Windschutzscheibe und winke spontan den Beamten zu. Die ersten Schaulustigen bleiben stehen. Die Ampel wird grün. Ich biege also ab. Keine hundert Meter bin ich gekommen, und mir kommt eine Fahrraddemo entgegen. Achso, denke ich, deswegen der ganze Panzeraufstand. Ganz schön gefährlich.

Witz der Saison: Hamburg, dpa, Klobürsten ausverkauft! Nur vereinzelt noch Exemplare in Superläden am Rand der Stadt gesehen worden ...

"Neulich waren die auf der Wache Lerchenstraße noch ganz nett zu mir", erzählt mein Fahrgast.
"Ja?"
"Ja. Ich bin rein und habe meinen Zettel vorgezeigt, den ich bei einer Verkehrskontrolle bekommen habe. 'Guten Tag', sag ich also. 'Ich soll hier meinen Wagen vorführen. Dass ich wieder Licht habe.' Da sagt der Cop zu mir: 'Geben Sie her, ich unterschreib das eben.' Ich war erstaunt und entsetzt zugleich."
"Wieso das denn, schien doch easy going?"
"Ich sag zu dem Uniformierten: 'Wollen Sie denn gar nicht gucken, ob das Licht auch wirklich wieder geht?' Er guckt mich verwundert an. 'Sie wären ja wohl nicht hergekommen, wenn Sie es nicht repariert hätten, oder?'"
"Da muss ich ihm aber schon mal Recht geben", mische ich mich ein.
"'Sie haben Recht', hab ich also auch - und wohl recht verschmitzt - gesagt", sagt mein Fahrgast.
"Na, da bin ich jetzt aber mal neugierig!"
"Er ist um den Tresen gekommen und hat mich gefragt, wo er denn steht. Also mein Wagen. 'Der vor der Tür gleich rechts', sag ich. 'Der wo das Licht noch brennt.' Hoffentlich noch brennt, dachte ich."
"Die alte Spürnase!", sachte ich. "Der Mann weiß, wo die Gefahr lauert!"

Auch witzig: "Hast Du dir auch schon ein Klobürsten-Arsenal zugelegt?"
"Nein, ich bin nicht so fürs Großreinemachen. Außerdem ist mir das mit den ganzen Reinigungsmitteln zu gefährlich!"

Auf der Reeperbahn vor der Davidswache: Kissenschlacht. Parolen: "Make Love not Gefahrengebiet!", "Polizei Nackidei!", "Wir haben Spaß, ihr habt Bereitschaft!", "Klo-, Klo-, Klobürste!". Ich frage mich, wie kommst Du dir vor, wenn du ein Cop mit Hirn bist und für die Unfähigkeit der Politik deinen Kopf hinhalten darfst? Gefährlich?

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Andere Sorgen hat die Polizei bei euch nicht? Ich bin Feuer und Flamme. (Sengelmann)

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Unerhört:e Taxilyrik, Teil 7

#Gauchogate, der kalkulierte Tabubruch (WM 2014)

Heute: Eine Sauce von Gauchos an Grouchos nebst einem zarten Schmelz von caramelisierter Vergangenheit. Aus den letzten 'Therapiegesprächen' von Dr. Taxi (F, wie Fahrer oder wie Frisör) und seinen Fahrgästen (A, B). Man könnte es auch ein Exzerpt auf die Frage "Sagen Sie mal, Herr Taxifahrer, Sie hören ja so einiges, alles Gaucho - oder was?" bezeichnen. Ja. Man hört so einiges , also: Ja, man hört sich so einiges an. Einiges, das im Brustton der Überzeugung vorgebracht wird, einiges Abteilung eher Unüberlegtes, einiges Bemerkenswertes. Von Gutmenschengesülze, braunen Handtüchern und zu bedienenden Marktanteilen. #Gauchogate oder Wenn der neue harmlos-freundliche Patriotismus mit Zehn kleinen Negerlein zusammenrasselt, wo es eigentlich nur um Marktanteile geht. Ein kalkulierter Tabubruch. (Gastbeitrag von N. Gut)

A Sie gehen ja so gebückt? Gaucho?
F Nö, Taxifahrer.
A War ja nur nen Scherz.
F Weiß ich doch. Da geht noch so Einiges.
A Sie hören ja so Einiges. Was war denn nun eigentlich los?
F Nichts besonderes, nur ganz die ganz normale teutonische Vereinsmeierei.
A Was war denn?
F Die Nationalspieler haben nach Gewinn der WM einen Affentanz mit Schmähgesang zu einer alten Rassistenmelodie gesungen.
A Ist das so schlimm?
F Wahrscheinlich haben sie nur ein bisschen frotzeln wollen. So im Hormonüberschwang.
A Und was singt der teutonische Vereinsmeier dann?
F Wissen Sie doch!
A Vielleicht das, womit er aufgezogen wurde?
F Genau „Humba Humba Humba Tätärä“ und „Zehn kleine Negerlein“.
A Werden solche ‚Singspiele’ zur Stärkung der eigenen Gruppe wider die andere nicht tausendfach jedes Wochenende in den Stadien der Fußballwelt gesungen?
F Ja, früher nur in Kirchen und beim Militär. Heute auch im Krieg gegen die andere Mannschaft.
A Die Sprache der Fanatics war noch nie stubenrein.
F Sie meinen, dann braucht es der Gesang der Fanatics auch nicht sein?
A Und hinterher trifft man sich dann auf dem Feld neben dem Stadion zur Massenschlägerei.
F Gerne doch, ganz normale Begleiterscheinungen des Leistungswahns, der da fordert: Es kann nur einen geben.
A Ellenbogengesellschaft.
F Meinetwegen auch Leistungsgesellschaft. Das ist die, wo einige sich was leisten. In diesem Fall nur nen Ding. Aber der Kern dürfte hier eher Abreaktion sein.
A Warum melden die sich nicht alle zum Militär?
F Weiß nicht. Schlagen Sie doch mal vor, dass die Bundeswehr Anwerber an allen Stadieneingängen des Landes postiert. Vor den Spielen dann noch ne kleine Flugschau ...
A Stimmt. Die suchen ja. Aber ob die Flitzpiepen in Fankutte das am Hindukusch bringen?
F Lasset uns den Leistungssport als Vorbild für die Erziehung der Jugend preisen. German Tugend vor, noch ein Blitzkriegtor.
A Ironie verstanden. Lieber nicht.
F Ach, nu auf einma nen Rückzieher! Jetzt wos ernst wird und unser Präsi mehr Polizeiaufgaben für Schlandland wünscht. Man sieht ja wie die USA so was meinen ...
A Halten sie meinen Präsi da raus!
F Na gut. Zurück zum Thema. Fangen Sie aber nicht wieder vom Militär an!
Fahrgast A räuspert sich.
F Kennen Sie den: Wissenschaftler lüftet Geheimnis um Gauchos?
A Nö.
F Geheimnis gelüftet: Gauchos gehen, wenn sie nicht gerade reiten, aufrecht.
A Ich dachte wir wären schon weiter.
F Nicht witzig?
A Ich dachte, dass der Deutsche sich heute mal ganz unverdächtig freuen darf.
F Ohne Schmäh scheint aber keine Freude aufzukommen.
A Haben Sie nicht gesagt, is gar nicht schlimm?
F Genau. Ist halt Leistungssport. Wers mag. Manche kriegen da ja auch ihren Inneren Reichsparteitag. Da gab es auch Kritik. Und keinen Shitstorm gegen die Kritiker.
A Die war an dem Tag ja auch nicht Weltmeisterin.
F Sehnse.
A Kommense, dit is baliner Mutterwitz.
F Gerne, meinetwegen isses Mudderwitz. Aber einer der seit dem irren Österreicher ohne Untermenschen nicht auskommt.
Fahrgast A druckst rum, rückt sich zurecht.
A Es ist doch nur Fußball. Ein ganz unverdächtiger Nationalismus, wissen Sie nicht mehr: das Sommermärchen.
F Nationalismus ist immer verdächtig.
A Wieso das denn?
F Weil er heute nur noch der Ausgrenzung dient und immer wieder in völkischen Irrsinn abdriftet.
A Nationalismus ist, wenn ich für mein Land bin.
F Das heißt Patriotismus. - Und geht auch manchmal schief. Immer wieder in Taxis gehört: "Die Itakker taugen nicht als Verbündete. Das haben wir ja schon damals gesehen." So was können sie nicht schön reden.
A Ich hoffe das sind nur Ausreißer.
F Sie meinen statistische Ausreißer?
A Ja, Statisten sozusagen. Clowns im Nationalcircus sozusagen.
F Nach meiner Erfahrung, ja. Aber dass die Fifa nich mal Fare zugelassen hat!
A Watn datn?
F Ich glaub, das heißt 'Football against Racism in Europe'-Netzwerk. Die Uefa arbeitet mit denen zusammen. Einen Bericht gibt es trotzdem.
A Aber man muss sich doch mal freuen können, ohne immer gleich als Nazi beschimpft zu werden.
F Klar doch. Alles fertig machen zum Freuen! Aber wie geht freuen auf Kosten anderer? Ist das Freude oder eine größenwahnsinnige Überlegenheitsfantasie?
A Seien Sie nicht zu streng, sie Gutmensch.
F Gut, das Frotzeln lass ich durchgehen. Aber nicht den rassisten Song.
A Okay. Eins zu eins.
F Hatte der Bundestrainer nach dem vorletzten Spiel nicht zur Demut gemahnt?
A Tatsächlich, hat er das?
F Ja, nach dem Brasilien-Spiel, sie wissen schon, das 7:1 gegen den Gastgeber. Nachdem Gaucho-Auftritt weiß ich wenigstens, dass das nicht so gemeint war.
A Wie denn?
F Es war nicht Demut gemeint, sondern Taktisches stillehalten.
A Sind ja spitzfindig.
F Nö, man muss die Worte hinter den Wörtern nur verstehen lernen. Das ist so eine Fachsprache.
A Ach, gehen sie doch zum Schach!
F Hallöchen! Das ist er wohl, der unverdächtige, fröhliche, total entspannte Nationalismus  ...
A Löw verzichtet demnächst auf Angriffe von Rechts, nur für sie.
F Jojo, immer ab durch die Mitte, wie damals bei Preußens, blutiger Kopp gehört dazu!
A Zwo zu zwo.
F Oder umgekehrt.
A Umgekehrt?
F "Es steht eins zu eins unentschieden. Man könnte auch sagen umgekehrt ..." oder so ähnlich. Legendärer Sportreporter-Quatsch.
A Aber ich lass mir jedenfalls meine Freude nicht vermiesen. Und ein Nazi bin ich deshalb auch nicht. Wir liegen doch nicht mehr auf braunen Handtüchern.
F Das wollten einige vielleicht so verstehen, dass man sie zeiht Nazis zu sein. Das war aber nicht der Kern der Kritik. Mir jedenfalls ging es lediglich um einen peinlichen Sponsorenauftritt, der als Meisterfeier getarnt, irgendwo zwischen Tacatucaland und Schlumpfgesang changierte, und der dummerweise (haben die denn keine Werbechoreografie-Abteilung bei dem Sponsor?) mal nicht von der Vergewaltigung eines Schlagers begleitet wurde, sondern von rassistischem Trallala plus Affentanz.
A In den Stadien werden sonst Schlager gesungen?
F Klar, Lieder die jeder kennt, Klassiker, Hits, - nennt man doch Schlager? Aus jedem Bereich der Musik. Ein bisschen die Texte umgestrickt, und jeder kann mitschmähen. Da ging es aber nicht drum, es ging um das rassistische „Zehn kleine Negerlein“.
A Und Sie meinen das war wirklich dieses Drecksliedchen, was da die Melodie gestiftet hat?
F Sie haben mich gefragt, was ich so höre. Und das hab ich so gehört.
A Aber wir können schon ein bisschen Stolz auf Deutschland sein, ja?
F Sie meinen das Land in dem Swatte und Islamisten in der Nati spielen?
A Sind Sie Zyniker oder so?
F Nein, ich spiegel nur die Allzustolzen.
A Dann sind wir also doch noch nicht so wirklich weiter?
F Nein, das Thema ist schon seit dem letzten selbst angezetteltem Krieg: Wer singt bei der Hymne mit, wer nicht - und wenn doch, dann was.
A Wer nicht mitsingt ist ein Vaterlandsverräter, hör ich das da raus?
F Mir würde ja eine Mutter Erde auch genügen. Aber sie sollen ihre Antwort haben: Ich befürchte, dass das Publikum, das da bedient wurde, seine Fußballspieler mindestens mit der Nation und diese wiederum mit dem Vaterland verwechselt. Alles eine Sauce, hurra!
A Vielleicht sollte man in Zukunft eine Clubweltmeisterschaft ausspielen?
F Davon verschwindet das Problem des menschenverachtenden Mobs doch nicht!
A Wie werden die das zur Fußball-WM in Katar machen? Von der Handball-WM hört man ja, die haben sich da ein Profiteam eingebürgert.
F Na, da heult aber die nationale Seele Verrat.
A Haben Sie eben nicht noch von menschenverachtenden Mobs gesprochen?
F Nationalisten sind nur eine Problemgruppe mit Hau.
A Jetzt werden Sie wieder komisch.
F Aber bei all diesem Cliquen-Getue geht es immer nur um die Organisierung von Gefolgschaft. Ein Feind erleichtert da das Handwerk.
A Andere Nationen sehen das nicht so eng.
F Warum soll ich mir die Dumpfbackigkeit anderer zum Vorbild nehmen?
A Und den Argentiniern scheint der Schmäh ja nicht aufgestossen zu sein.
F Doch. Nur die rechtsbürgerliche Presse, sie wissen schon ‚Focos’ und Konsorten, hat mal wieder behauptet, dass es niemanden interessiert, wenn das Gutmenschengesülze ein paar Nationalspieler auf die Basis ihrers ‚Singpasses’ hinweist. Man holt dann lieber die ‚Ich bin doch aber kein Nazi’-Keule raus.
A Ach, Sie meinen, so rum kann man das auch als Keule verwenden?
F Aber hallo!
A Ihr Fazit?
F Ich hatte den Eindruck, dass man im Lager der Angesprochenen gerne mal wieder der böse Nazi sein wollte.
A Sie meinen, dass die Kritisierten überreagiert haben? Das wäre ja dann so eine Art von Schuldeingeständnis. Solche sind doch auch nicht zu blöde zu wissen watse da reden.
F Ich denke, das war es zum Teil auch. Die meisten werden erst drei Tage später geschnallt haben, dass ein Großteil des Publikums die Melodie als altes Rassistenlied erkannt hat. Unterm Strich würd ich aber schlimmstenfalls sagen, tragisch dumm gelaufen. Nationalspiele guck ich mir trotzdem erst mal nicht mehr an.
A Wieso das denn!
F Man trifft an solchen Tagen einfach zu viele Dumpfbacken auf der Straße. Sie wissen schon, die Itakker-Abteilung ...
A Stimmt es, dass der DFB sich entschuldigt hat?
F Quasi. Man bedauert Irritationen. Man weiß es eigentlich besser. Man will sich auch an den argentinischen Verband wenden. Funktionärssprech, is sone Art Diplomatie.
A Wäre ja nicht nötig gewesen, wennse mich fragen.
F Meinethalben auch nicht. Nehme an, dass es um Marktanteile ging. Wenn man die ganze fucking Bäckerei will, dann kann man nicht der Hälfte des Publikums vor den Kopf treten. Das sind doch Kunden! Wobei wir wieder bei der Marketing-Abteilung des Sponsors wären. Das nächste mal sollten da die Choreografien für die Paadie danach besser koordiniert werden.
A Sollte wahrscheinlich alles authentisch sein ...
F Sehenseja, was dabei rauskommt ...
A Ich war noch nie ein Freund einer ökonomistischen Sichtweise.
F Der DFB schon. Oder warum glauben Sie, dass Interviews heute zum Großteil von alterslosen Frauenmodellen geführt werden?
A Nu werden Sie aber respektlos.
F Im Gegenteil. Die Frauen sind Vorbilder für den weibleichen Teil des Publikums und Hingugger für den männlichen. So tickt das Marketing. Wetten?
A Ehrlich?
F Tun sie nicht so charming schamhaft! Oder warum gibt normalerweise keiner mehr eine tumbe Antwort wie einst Otto der Große; Rehhagel zu Sabine Töpperwien: “Mit Ihnen spreche ich nicht. Schicken Sie mir Ihren Bruder.”?
A Dann hat DFB-Oberfuzzi Niersbach sich ja weniger bei den Argentiniern entschuldigt, als zu einem Teil seiner hiesigen Kundschaft gesprochen.
F Nu hamses kapiert.
A Sie sind gar kein Gutmensch! Sie sind ein mieser Geschäftemacher!
F Nö, nur Realist. Das ist Unterhaltung für Millionen. Das geht ohne schwammiges Profil nicht. Eine mögliche Strategie ist es, Teile des Publikums jeweils nacheinander zu befriedigen. Im Zweifel für alles und nichts zu missbrauchen. Und manchmal beim Selbstmissbrauch erwischt. Fragen sie mal den Manager, den selbstgestrickten BWLer, diesen Bierhoff ...
A Selbstmissbrauch ist ein lustiges Wort. Und in den Stadien, jedes Wochenende ...?“
F Da schimpft sich das Fankultur.
A Und so etwas feuert unsere Besten an?
F Sehen Sie, das wäre mal ein wirklich interessantes Thema. Für den Titel hat es ja auch so gereicht. Obwohl ein Teil der Besten gar nicht dabei war, einige noch nicht einmal vorgesehen waren.
A Sie denken an a. Reuss und b. an Kiesling?
F Ah, ein echter Fan ist, wer sich auskennt.
A Fußballaballa.
F Ich verneige mich in Demut.
A Nochmal Demut? Oder wirds jetzt filosofisch? Oder hat der nicht mal bei Pauli gekickt?
F Es heißt Sankt Pauli. Und er hieß Demuth.
A Jetzt sind Sie aber übermäßig pc!
Gemeinsames Lachen. Fahrziel erreicht. Kassieren, abkippen, der Nächste bitte zum Gespräch zu Dr. Taxi in den rollenden Behandlungssaal.
B Sie gehen ja so gebückt, Dr. Taxi? Gaucho?
F Nö, Groucho.
Fahren Sie mal länger Taxi, dann haben sie auf alles nicht nur eine Antwort. Wenn Sie richtig gut sind, dann riechen sie das Thema schon, wenn es einsteigt.
B Grrroucho???
F Marx.
B Schnarx.
Kennt wirklich keiner mehr Groucho Marx, 'Die Marx Brothers im Kaufhaus' usw.? Dann kann es um die Humorfähigkeit in Schlandland wirklich nicht gut bestellt sein. Dann müssen wir uns weiterhin den Abusus allen Nationalen für alle möglichen dummerhaftigen Botschaften anhören.
F Wo solls denn hingehn?
B Abwärts. Von hier kanns nur noch Abwärts gehen.
F Ich sach nur, „auf Jahre hinaus unschlagbar ...“
B Wer weiß.
F Wer weiß.
Lachen.

 

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Ole, Ole. Ole, Ole, Ole. Wir sind Wältzmeister. Ole, Ole. Ole, Ole, Ole. (Fan)

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Während der Weltmeisterschaften fahre ich nur Taxi. Auf die Art entgehe ich den völkischen Horden. (Glock, Fahrgast)

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Unerhört:e Taxilyrik, Teil 8, Böse - Oder die Mär von eShareEconomy


"Nicht zuletzt ermöglichen Plattformen durch die Kontrolle des Ökosystems, jede wirtschaftliche Transaktion als Auktion zu inszenieren. Und nichts eignet sich besser zur Minimierung der Kosten als Auktionen - auch der Kosten für Arbeit. Arbeit ist damit der zentrale gesellschaftliche Aspekt des Plattform-Kapitalismus. Genau dort entscheidet sich, ob man die enormen Vorteile des Plattform-Kapitalismus und damit der Sharing-Ökonomie nutzbar macht - oder eine Dumpinghölle schafft, in der ausgebeutete Amateure nur dazu dienen, die Preise der Profis zu drücken." (aus dem Lobo-Artikel)

Redete ich schon bei der Einführung der mytaxi-'Auktionen' von: Es ist sind keine Auktionen, sondern Wettbüros mit Unterwerfungscharakter. Lobo nennt es Inszenierungen. Heißt: sie täuschen nur vor. Es sind auch keine 'Märkte'. Denn da kann sich jeder bei jedem Teilnehmer jeder Zeit vollumfänglich über alle sich verändernden Parameter informieren und dann entsprechend handeln. Es geht nicht ums Teilen, sondern ums Absahnen.

Überfällig: Kapitalismuskritik (K. in der Form des Neoliberalen-Paradigmas) und Taxi treffen aufeinander. In der Wirklichkeit. Spätestens wenn wir wieder von Monopolkommission, TOI-Studie und Öffnung der Märkte zu sprechen haben, sprechen wir schon wieder davon.

Denn was liebt das neoliberale Paradigma mehr, als den Schwachsinn von den freien Märkten? Ich befürchte sogar, dass wir dann noch mal bei null anfangen müssen, und erstmal Definitionen für die Begriffe, die uns täglich eingehämmert werden, liefern müssen. Weil Wirtschaft ist nämlich in unserem Land (nicht ohne Grund) kein wichtiges Schulfach.

Wir sollten uns schon mal überlegen, ob wir nicht etwas dazu zu sagen haben, dass unsere halbstaatliche/halbprivatwirtschaftliche Taxiexistenz in Schlandland grundsätzlich nicht eher ein Segen, denn ein Übel ist. (Ab von aller nötiger Kritik.)

Man muss sogar weiter gehen als der Artikel. Der dem Kapitalismus innewohnende Zwang zum Wachstum zwingt jeden in unserer Wirtschaft zu mehr oder weniger disruptivem Handeln. Das weiß jeder, der einen Kredit an der Backe hat. Man könnte auch sagen, der Krieg Alle gegen Alle ist ein wesentliches Merkmal des Wirtschaftens hier zu Lande oder: Kapitalismus ist organisierter (Sozial-)Darwinismus.

Dass das wirkliche Leben aus mehr besteht, als aus Dingen, die man gegeneinander aufrechenen kann, muss man heute zu Tage scheinbar immer extra dazusagen. Man muss sich halt überlegen, ob man Alle gegen Alle haben will oder ein lebenswertes Leben. Und dann die entsprechenden Regeln aufstellen.

Für ein bisschen Ironie muss auch noch Platz sein. Wat Glück: gegen die Refeudalisierung der Gesellschaft erfanden Muddi & Co dann ja so Sachen wie die Mütterrente ... Ich fordere ne Taxlerrente! Sofort!

***

Kann mich gar nicht entscheiden, was mir besser gefällt: Hirnsedativum, Partyplaudervorlage, VWLer-Powerpoint-Füller, Kapitalismus aus Bismarckzeiten, Sharing Economy ist ein Marketing-Gag ... (>Sharing Economy ist Neo-Neoliberalismus)

Aber um ein Wort des großen Vorschwitzenden von Uber bezüglich Taxis aufzugreifen, würde ich das mal eben verkürzen auf: Neo-Liberalismus ist asshole-philosophy. NLP sozusagen ...
(Sinngemäß, z.B. in dem Panorama-Beitrag, äussert sich der Uber-Chef: "Uber ist die eine Seite, auf der anderen sitzt ein Asshole namens Taxi." Alles klar?!?). Der Typ organisiert Schwarzarbeit im großen Stil. Sonst nichts.

Und dann noch was Positives: Was ich an dieses Schmieris so mag, das ist ihre offene, eindeutige, ehrliche Art. Da gibt es wenigstens keine weichgequatschten Missverständnisse.

Wenn man Ihnen persönlich begegnen darf, und Taxi darf gerade den neolibralen Wirtschaftsverbrechern persönlich begegnen, dann ist immer gleich alles klar.

Frage: Solche darf, solche muss man dann doch genauso eindeutig titulieren, wie sie uns titulieren, oder? Das sind Ausbeuter, Mehrwertabschöpfer reinsten Wassers, weg damit. Und gleich noch dazu gesagt: Derregulierung ist nur ein anderes Wort dafür.

Von Teilen verstehen diese Leute nichts. Auch nicht von ÖPNV. Oder Arbeitsschutz, Versicherungen und Steuerehrlichkeit.
Die können nur ein Wort schreiben. Ich. Dabei ist sogar ihre Welt größer. Solchen wünscht man doch alles von Zeckenbissen über krebskranke Kinder bis zu 'nen Atomkraftwerk im Vorgarten und und und, oder?!?

Frechheit, alle Taxifahrer als assholes zu bezeichenen! Bigottes Pack. Genickschuss wäre noch zu gnädig.

***

Das Thema ist Deregulierung. Das Zauberwort des Neoliberallalas. Der Markt regelt alles. Darwin läßt grüßen. Ist natürlich Quatsch mit (süßer) Soße. Regeln tut nur die Gemeinschaft, also deren Vertreter, also der Gesetzgeber. Und Ökonomie ist kein Naturgesetz, sondern Menschenwerk. Und muss geregelt werden. Oder fordert etwa jemand etwa Pumpguns für alle?

Die Deregulierung, wie in den letzten Jahrzehnten allzu oft gesehen, und so auch hier für Taxis beschrieben, war nicht immer sinnvoll verbessernd in der Qualität oder gar billigermachend.

Es ist eine alte Weisheit, dass man bekommt was man fördert. Sagt der Sämann. Wenn einem ÖPNV, Arbeitschutz, versicherte Fahrgäste, Steuereinnahmen etc.pp nicht wichtig sind ...

Das relativ starre System Taxi ist definitiv nicht schlecht und auch auch nicht zu teuer. Flexibel ist eben nicht per se gut. Auch wenn uns der Käse seit Jahrzehnten eingehämmert wird.

Man nennt so etwas auch neoliberale Propaganda. Ihren Quatsch verkaufen, ist das was sie am Besten können. Sie sammeln Milliarden ein und versprechen noch mehr Milliarden, wenn ihr Krieg beendet ist. Sie träumen davon, als große Feldherren in die Geschichte einzugehen. Wie arm ist das denn! Eigentlich sind sie nur auf Raubzug, wollen Beute machen, wo andere sich was mehr bei gedacht haben.

Wenn die Erkenntnis ist, dass auch eine Marktöffnung nicht wirklich was ändert, dann sollten unsere Verbände sehr genau gucken, was wirklich sinnvoll zu verändern wäre. Und damit gerne nach Vorne gehen. Das Taxigewerbe sollte anfangen ein paar Dinge selbst zu regulieren.

Die Vorsilbe de-(regulieren) können wir uns dabei getrost schenken. Sie gehört in die BlaBlaSchublade - wie das Wort Sharing (economy). Dieses BlaBla möchte uns ein X für ein U vormachen. Teilen ist Neusprech für Ausbeutung pur. Uber und Co. haben sich gefälligst - wie alle - an die bestehenden Gesetze zu halten.

"Das war schon immer der Trick des Kapitalismus: Uns zu verkaufen, was es vorher umsonst gab. Jetzt hat er die neueste Marktlücke entdeckt: den Kommunismus." (>Der Terror des Teilens)

(von scarda)

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Zum teilen braucht es kein Geld. Außer es ist das Geld, das geteilt werden soll. Wollen die Gunnar Frohsinns und Asshole-Travis Kalanicks ihre Millionen mit uns teilen? Nein, im Gegenteil, sie wollen sie aus uns heraussaugen. (Nelli)

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Verlangt ja auch keiner, dass geteilt wird. 'Terror des Teilens' ist schon die richtige Beschreibung. Aber 'Dumping Hölle' muss wirklich nicht sein. Im Gegesatz zu Uber und Lyft ist mytaxi voll korrekt. Man muss sich freuen, dass es sie gibt. (Regula)

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Stimmt. (jg)

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Unerhört:e Taxilyrik, Teil 9, Böse 2 - oder Der Krieg kehrt zurück

Fahrgäste liefern den Seismographen. Wirte, Frisöre und Taxifahrer gehören angeblich zu den bestinformiertesten Menschen der Welt. Im Moment hören wir viel vom Krieg. (Beitrag von TaxiKönig und RabbitNoOne, 09/2014)

Links die Elbe. Bloom & Voss, Dock 11. Kennt jeder aus dem TV. Unser erstes mal in Hamburg. Der Gast wollte zum Fischmarkt. Wir fahren an einem Haus vorbei, darauf steht schwarz auf weiß geschrieben 'Kein Mensch ist illegal'. Im Radio spricht eine Ministerin. Die Straßen sind schlechter, als bei uns draußen. Aber das Großstadtflair ist einmalig.
- RabbitNoOne: Was sagt die Kecksbaronin gerade?
- TaxiKönig: Dass die Industrie zu langsam liefere, dass die Bestände zuweit abgebaut und nun aber schneller als geht gebraucht werden.
- RabbitNoOne: An Babyfutter?
- TaxiKönig: Nee, die ist nicht mehr dafür da, andauernd die Kinder auszustoßen.
- RabbitNoOne: Achja, die Keksbaronin ist ja von der Kinderwurfmaschine direkt in den Krieg übergewechselt.
- TaxiKönig: Manche nennen sie auch Flinten-Uschi.
- RabbitNoOne: Hübsche Verniedlichung für eine Kriegsministerin.
- TaxiKönig: Verteidigungsministerin. Uns wird der Krieg aufgezwungen.
- RabbitNoOne: Dass sagen die, die sich daran bereichern immer.
- TaxiKönig: Der Rüstungsindustrie geht es schlecht. Die wollen Arbeitsplätze abbauen und ihre Fabriken fernweitweg wieder aufbauen.
- RabbitNoOne: Der Rüstungsindustrie, die den drittgrößten Waffenexporteuer der Welt repräsentiert?
- TaxiKönig: Yep.
- RabbitNoOne: Ja, was denn nun, drittgrößte Waffenschmiede der Welt, Exporte rund um den Globus oder kurz vor dem Ruin, - weil der Mindestlohn kommt?
- TaxiKönig: Ach, die auch?
- RabbitNoOne: Ich glaube eher nicht. Die sind wichtig. Die ensprechende Sparte da drüben, ich sah ihn im Rückspiegel zu der Werft hinüber deutend, dürften sie doch auch nicht veräussern. Nee, nee, die kriegen gut bezahlt und dürfen im Zeifel nicht verkaufen.
- TaxiKönig: Wieso das denn? Wir haben freies Unternehmertum!
- RabbitNoOne: Sicherheitsinteressen der BRD. Im Zeifel werden Sie enteignet.
- TaxiKönig: Was!
- RabbitNoOne: Naja. So weit wird es ja nicht kommen. Man beliefert schön alle Seiten, den neuesten Verbündeten, den Kurden, die gebrauchten alten Waffen, selbst immer das neueste. So bleibt man auf allen Kontinenten Herr der Lage.
- TaxiKönig: Ich dachte wir helfen denen da unten. Auch den armen Menschen.
- RabbitNoOne: Bombardiert wird seit ISIS vor der größten Raffenerie des Irak stand. Doch nicht wegen der Menschen!
- TaxiKönig: Sie meinen es geht gar nicht um Religion und Massenmord?
- RabbitNoOne: Aus Sicht der Ölkonzerne Kollateralschäden. Aus Sicht der Propagandisten ein gefundenes Fressen. Sie tünchen ihre rein materiellen Interessen gerne mit humanistischen Rettungsaktionen über.
- TaxiKönig: Sie meinen man macht uns nur vor, gegen den Terror zu kämpfen?
- RabbitNoOne: Nein.
- TaxiKönig: Dann verstehe ich sie nicht.
- RabbitNoOne: Man kämpft erst gegen den Terror, wenn die Ölquellen zu versiegen drohen. Ansonsten finanziert man ihn.
- TaxiKönig: Stellvertreterkriege sind noch immer die billigsten.
- RabbitNoOne: Jetzt haben Sie das mit den Kurden begriffen.
- TaxiKönig: Aber Deutschlands gewicht in der Welt ist gewachsen. Wir müssen uns der Verantwortung stellen.
- RabbitNoOne: Früher wog Deutschland sechs Kilo und heute zwölf - oder was!
- TaxiKönig: Ich hatte immer den Verdacht, dass dahinter Großmannssucht steckt.
- RabbitNoOne: Es steht zu befürchten, dass für bestimmte Teile unserer sogenannten ausgemacht ist, dass Krieg von deutschem Boden aus wieder ein ganz legetimes Mittel zum Wohle der Wirtschaft sei.
- TaxiKönig: Sie meinen als Ausweg aus der Krise?
- RabbitNoOne: Der Königsweg sozusagen. Viel Zerstörung. Viel Aufbau. Viel BIP.
- TaxiKönig: Gegen den Willen der großen Mehrheit in Deutschland.
- RabbitNoOne: Das habe ich von meinem Urgroßvater auch gehört.
- TaxiKönig: Er hatte Recht. Das alle jubelnd in den Ersten Weltkrieg gerannt sind, stimmt nicht. Es wäre ein erfolgreich anhaltende Propagandaerfolg der Medien, wenn Sie das immer glauben würden.
- RabbitNoOne: Aber ich habe noch seine Kinderbücher ...
- TaxiKönig: Propaganda gab es, patriotische Kaisertreue auch.
- RabbitNoOne: Mein Urgroßvater ist damals nach Argentinien abgehauen und erst zur Hochzeit seiner Urenkelin wieder raufgekommen.
- TaxiKönig: Tango! Aber zum Glück haben wir heute eine demokratische Presse!
- RabbitNoOne: Sie meinen die, die mit der Rüstungsindustrie verschwibschwägert ist?
- TaxiKönig: Nein, ich meine die Vierte Gewalt im Staat. Die uns alles Berichten, damit wir alles verstehen und uns eine Meinung bilden können. Damit wir eine haben, wenn es ans abstimmen geht.
- RabbitNoOne: Gibt es die noch?
- TaxiKönig: Äh, gab es die in den letzten Jahrzehnten nicht?
- RabbitNoOne: Wissen Sie wer unserem Präsidenten die Rede eingeschrieben hat, in der Deutschland mit Weltpolizeiaufgaben betraut sehen möchte?
- TaxiKönig: Einer der gutes Deutsch kann?
- RabbitNoOne: So naiv sind Sie nicht!
- TaxiKönig: Lassen Sie mich nicht dumm sterben.
- RabbitNoOne: Ich empfehle Ihnen das hier. Er hielt mir sein Smarti unter die Nase. Vorschlag: Wir suchen uns noch schnell einen MacDoof, ich lade Sie auf nen Kaffee und nen Burger ein, und wir gucken uns den Film an.
- TaxiKönig: Da sind doch diese Kabaretttypen ...
- RabbitNoOne: Die haben einen Sketch über unabhängigen Qualitätsjournalismus gemacht - und sich eine einstweilge Verfügung eingefangen.
- TaxiKönig: Haben wieder übertrieben, was?
- RabbitNoOne: Nein, der Richter fand es wichtig, das man Menschen nicht unterstellen darf, sie seien irgendwo Mitglied, Beirat etc. wenn sich die Mitgliedschaft dort doch Teilnehmer etc. nennt.
- TaxiKönig: Ehrlich?, Ich sah ihn im Rückspiegel heftig nicken. Korinthenkackker!
- RabbitNoOne: Die inkriminierten Stellen musste das ZDF aus der Mediathek nehmen.
- TaxiKönig: Davon habe ich gar nichts gelesen.
- RabbitNoOne: Weil die Leitmedien, an denen die anderen Schreiberlinge sich or ientieren, solche Sendungen aus der Berichterstattung heraushalten.
Nach der Stärkung.
- TaxiKönig: Da schreibt also ein QualitätsJournalist in der Zeit, der in einer der Rüstungsindustrie freundlich gesonnen Denkfabrik massgeblich mitarbeitet, begeistert über einen Präsidenten, der sich seine WeltpolizeiRede von eben jener DenkFabrik hat schreiben lassen?
- RabbitNoOne: Ohne darauf hinzuweisen, dass er hier in einem Interessenskonflikt steht.
- TaxiKönig: Sieht er wahrscheinlich anders.
- RabbitNoOne: Klar. Aber mit Vierter Gewalt und umfassender Aufklärung hat das eben nichts zu tun.
- TaxiKönig: Wo graben die nur immer diese Stories aus?
- RabbitNoOne: So etwas wird immer noch an Universitäten erforscht.
- TaxiKönig: Betonung auf noch?
- RabbitNoOne: Trotzdem.
- TaxiKönig: Trotzdem?
- RabbitNoOne: Man treibt uns in einen Krieg.
- TaxiKönig: Man versucht es.
- RabbitNoOne: Solange, bis es klappt.
- TaxiKönig: Sie sind mir ein Verschwörungstheoretiker!
- RabbitNoOne: Das ist knallhartes AgitPropBiz in den Zeiten des Kampagnenjournalismus.
- TaxiKönig: Weiter nichts?
- RabbitNoOne: Reicht Ihnen das nicht?
- TaxiKönig: Und wo haben Sie das her?
- RabbitNoOne: Heute wird eine Plattform zensiert und prompt taucht es auf einer anderen auf.
- TaxiKönig: Aber die anderen Lügen auch!
- RabbitNoOne: Klar. An welchen anderen denken Sie gerade.
- TaxiKönig: Der Russe.
- RabbitNoOne: Ahja, der. Natürlich der. Wer denn sonst.
- TaxiKönig: Stimmts oder hab ich Recht?
- RabbitNoOne: Ja.
- TaxiKönig: Sehen Sie!
- RabbitNoOne: Aber kein Grund sich von den 'eigenen Leuten' anlügen zu lassen.
- TaxiKönig: Stimmt auch wieder.
- RabbitNoOne: Zeit zu kapieren, dass das nicht 'unsere Leute' sind.
- TaxiKönig: Wer denn?
- RabbitNoOne: Sie müssen sich selbst helfen. Benutzen Sie ihr eigenes Gehirn. Lassen Sie sich nicht von diesen Leuten die Meinung der Kriegsindustrie einimpfen.
Wir waren angekommen.
- TaxiKönig: Fischmarkt, Austieg in Fahrtrichtung rechts, bidde.

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